• Home
  • E-Mobilität wird die Herstellung von Autos in Billig und Luxus teilen
Photo by Ishan @seefromthesky on Unsplash

E-Mobilität wird die Herstellung von Autos in Billig und Luxus teilen

Die E-Mobilität und das Verbot von Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2035, in Europa, wird die Automobillandschaft grundlegend verändern. Unter wirtschaftlichen Aspekten müssen sich die klassischen Hersteller einer Rosskur unterziehen, um die Bereiche zu retten, die wirtschaftlich in Zukunft noch Sinn ergeben. In fast allen Automobilkonzernen wird seit dem Aufkommen von E-Mobilität an massiven Strukturänderungen gearbeitet. Fast alle Bereiche werden auf Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit hin überprüft und umgestellt, beendet, ausgelagert oder neu erfunden. Es bleibt kein Stein auf dem anderen und Fachkräfte haben keine sichere Perspektive. Grund ist der politische und planwirtschaftliche Eingriff mit drastischen Folgen.

5-7 Mio. Arbeitsplätze stehen in Deutschland auf dem Spiel

In Deutschland werden rund 850’000 Menschen direkt in der Autoindustrie beschäftigt (Quelle: Statista). Aber, rechnet man alle vor und nachgelagerten Arbeitsplätze dazu, sind es rund 5 Mio. Menschen, die von der aktuellen Struktur der Autoindustrie leben. Alleine in Autowerkstätten arbeiten in Deutschland weitere 300’000 Menschen. In Deutschland gibt es rund 15’000 Tankstellen mit durchschnittlich 3-5 Mitarbeitern, macht zwischen 45’000 und 75’000 Mitarbeiter. In der Branche Mineralöl & Raffinierung sind rund 7’500 Menschen beschäftigt. Bei den Zulieferern aus Chemie, Maschinenbau, Stahlerzeugung, Lederverarbeitung, Reifenherstellung etc. sind weitere Tausende von Menschen beschäftigt, deren Anstellung durch Umstrukturierung hin zur „nachhaltigen“ Mobilität auf dem Prüfstand stehen. Der Umsatz der Autoindustrie in Deutschland betrugt in 2020 rund 380 Milliarden Euro. Diese Gelder fliessen als Zahlungen zu einem grossen Teil auch an Lieferanten, Zulieferer, Infrastrukturunternehmen wie Restaurants, Bäckereien etc. oder in Form von Steuern an den Staat und damit in Sozialtöpfe und Finanzierung von vielen anderen Dingen. Volkswirtschaft ist immer ein Kreislaufsystem. Man könnte sagen, das Geld kursiert zwischen Kunden -> Unternehmen -> Bank -> Zulieferern -> Arbeitskräfte, wobei wir wieder beim Kunden sind. Davon nimmt sich der Staat einen Teil und die Investoren und Banken. Wird die Branche umgewandelt, sind die Höhe der Geldströme nicht mehr sicher und verändern sich. Der eine bekommt mehr, der andere weniger, es kann aber auch die gesamte Höhe auf einmal stark schwanken. Da alles am Geld hängt, dass verdient werden will, muss alles geprüft werden. Natürlich entstehen auch neue Chancen, aber vieles muss erst einmal eingestampft werden. Ehemalige Investitionen lösen sich in Luft auf, Werte und Know-how wird vernichtet.

E-Mobilität ist insgesamt effizienter und Ressourcen sparender

Ein E-Auto besteht aus viel weniger Teilen, die noch dazu mit viel geringerem Aufwand und Kosten hergestellt werden können. Die Wartungskosten liegen bei 10 % eines Verbrenners. Man schätzt, werden E-Autos erst einmal voll in Serie gebaut und die gleichen Investitionen für Effizienz wurde in die Fertigung gesteckt, wie in Autos mit Verbrennungsmotoren seit über 100 Jahren, einen Kostenvorteil von 50 %. Selbst wenn es weniger oder mehr als die 50 % sind, kann sich jeder vorstellen, wie sich das auf die Branche auswirkt, wenn in Deutschland in ein, zwei, drei Jahren nur noch 190 Milliarden in der Autoindustrie umgesetzt werden. Halb so viele Beschäftigte, halb so viele Zulieferer, halb so viel Infrastruktur. Ein Bäcker, der davon lebt, dass morgens die Arbeiter, die in das Opel-Werk in Rüsselsheim gehen, bei ihm Brötchen kaufen, kann sich ausrechnen, was das für ihn bedeutet. Tankstellen-Pächter auch. Es wird zu einem grossen Werkstätten-Sterben kommen. Nach dazu nutzt man die Chance, um die Prozessketten weiter in die Globalisierung zu bringen. Teile werden in Zukunft dort hergestellt, wo es von der Prozesskette her Nutzen bringt. Wenn man den Laden schon umbaut, dann gleich richtig.

Da stellt sich die Frage der Unternehmensstrategie und langfristigen Ausrichtung

Vor dem oben genannten Hintergrund, der Belastungen durch die Pandemie-Massnahmen und zukünftigen Kosten für Gesundheit, der aufkommenden oder aktuellen Kriege, direkt in unserem Umfeld, müssen sich Unternehmen neu aufstellen. Die Konstellationen waren sicher noch nie eine solche Herausforderung, wie derzeit und in Zukunft. Grosse Unternehmen müssen für die nächsten zehn und zwanzig Jahre plane. Das birgt enorme Risiken, denn der Möglichkeitstrichter zwischen „Best -“ und „Worst Case“ wird immer grösser. Es ist naheliegend, dass Unternehmen sich dann stark auf die sichere Seite schlagen und Risiken vermeiden, wo sie können. So hat z.B. Mercedes verkündet, die A- und B-Klasse bis Ende 2022 einzustellen, also keine Autos mehr aus dieser Klasse ab 31.12.22 zu produzieren. In 2019 hat Mercedes davon noch 680’000 Fahrzeuge hergestellt. Mercedes will sich verstärkt auf die Luxus-Klassen konzentrieren. Die Preise für die noch verbleibende Klassen sollen zudem steigen. Es wird, von im Durchschnitt, 20 % Preissteigerung gesprochen. Da wird viel Potenzial frei. Arbeitskräfte werden entlassen, Maschinen, Produktionsbänder und Werke stillgelegt. Wie oben beschrieben, wird ein Teil im volkswirtschaftlichen Kreislauf fehlen, und zwar in der ganzen Prozesskette. Weniger Steuereinnahmen, weniger Geld für Zulieferer, weniger Geld für Infrastruktur etc.

Vor dem Hintergrund massiv steigender Energiekosten erst der Anfang der Veränderungen

Autos herzustellen, ist ein sehr energieintensiver Prozess. Eisen und Aluminium wird in Hochöfen zu verarbeitbarem Material. Produktionsstrassen, Fertigungshallen inkl. der Infrastruktur verschlingen Unmengen an Strom.

Zitat: Das Volkswagenwerk in Wolfsburg ist die größte Fabrik der Welt auf schwer vorstellbaren 6,5 Millionen Quadratmetern. Allein die bebaute Hallenfläche ist so groß wie das gesamte Fürstentum Monaco. Für den Betrieb dieser riesigen Anlage braucht es – wenig überraschend – sehr viel Strom und Wärme. 2019 lag der Energieverbrauch bei knapp 1,9 Millionen Megawattstunden – das ist so viel wie eine Stadt mit 250.000 Einwohnern wie Wiesbaden oder Mönchengladbach im Jahr verbraucht.

Durch die aktuelle Politik werden die Energiekosten massiv steigen. Die seit ein paar Jahren eingeschlagenen, politischen Wege sind nicht mehr umzukehren. Wir werden Energiekosten bekommen, die drei bis vier Mal so hoch sein werden, wie bisher. Benzin/Diesel wird Ende des Jahres vermutlich bei 5 Euro oder mehr den Liter liegen. Gas wird dreimal so viel kosten wie bisher. Öl vermutlich doppelt so teuer sein und der Strompreis wird folgen, denn der ist ein Substitut all der fossilen Stoffe. Da werden sich bestimmte Dinge einfach nicht mehr rechnen.

Ein Beispiel: Chemische Reinigungen z.B. arbeiten sehr viel mit Erdgas, weil es bisher die wirtschaftlichste Art war dieses Geschäft zu betreiben. Steigt der Preis für Gas um 20 %, lohnt sich eine chemische Reinigung nicht mehr und man muss sie schliessen. Der Preis wird aber um das dreifach steigen. Das heisst, es wird auf dieser Basis keine chemischen Reinigungen mehr geben. In Deutschland werden rund 65’000 Mitarbeiter in dieser Branche beschäftigt. Die grössten Kunden von chemischen Reinigungen sind übrigens Krankenhäuser und Hotels. Man kann sich ausmalen, was es bedeutet, wenn es keine chemischen Reinigungen mehr gibt.

Oben genanntes Beispiel zeigt die Dramatik gut auf. Noch dazu gibt es Bereiche in der Industrie, die, wenn sie erst einmal stillgelegt wurden, nicht wieder so leicht hochzufahren sind. Viele Anlagen z.B. in der Stahl- und Aluminiumerzeugung sind zum Abriss verurteilt, wenn man sie einmal anhält. Neu bauen kostet dann Unsummen. In chemischen Unternehmen ist es ähnlich. Wird ein Prozess dort gestoppt, ist das Hochfahren manchmal doppelt so teuer, als würde man die Anlage neu bauen. Vielen ist nicht bewusst, wie verzahnt die heutige Welt ist. Was ist heute alles aus Kunststoff? Schauen Sie sich in ihrer lokalen Umgebung um. Ohne niedrige Energiekosten können diese Dinge nicht mehr hergestellt werden, weil sie sich nicht rechnen. Natürlich wird auch der Transport aus Asien oder anderen fernen Regionen teurer, weil die Preise für Energie sich weltweit ausbreiten werden. Kohle, Stahl oder seltene Erden, die heute aus Australien, Südafrika und China nach Deutschland geschifft werden, werden unbezahlbar, wegen der Energiekosten. Deutschland hat praktisch keine Bodenschätze, wie und was will man dann noch hier produzieren?

Der Export wird einbrechen, da den Käufern in der Dritten Welt das Geld fehlt

Die Zinspolitik führt zu hohen Kosten für Kredite. Während in Europa und den USA „vielleicht“ höhere Zinsen für die verbleibenden Unternehmen noch tragbar sind, wird sich das in der Dritten Welt wie ein Multiplikator auswirken. Wenn Kredite in Europa für 8 % zu haben sind, kosten sie in Afrika dann 16 %. Durch die Zinspolitik der USA und EU werden die Zinsen weltweit nach oben getrieben. Für die Dritte Welt bedeutet das ein Desaster, denn sie können sich unmöglich für die dreifachen Zinsen Geld leihen, um Waren in Europa oder den USA zu kaufen. Das wiederum wird die Exporte, vor allem aus Deutschland und Europa, stark zurücksetzen. Der Auftragseingang ist deshalb schon in den ersten Monaten des Jahres 2022 in Deutschland um 13 % eingebrochen. Nach Jahren steigender Exporte, das erste Mal ein starker Rückgang. Die USA sind nicht so sehr betroffen, da sie ja bekanntlich weniger exportieren. Für Europa und besonders Deutschland gibt es auf ganz vielen Gebieten einen extremen Rückgang. Diesen Veränderungen müssen sich Unternehmen und Bürger stellen. Die Politik kann ihre Strategie kaum schnell ändern.

Fazit

Europa und besonders Deutschland stehen vor tiefgreifenden Umschwüngen. Unternehmen müssen sich jetzt radikal anpassen und ihre Strategien für die Zukunft so umstellen, dass sie auf der sicheren Seite stehen. Das Beispiel Mercedes ist eines, welches als ein Modell für andere gelten kann. Konzentration auf das Kerngeschäft – und zwar radikal. Allen Ballast über Bord werfen und schlank und effizient werden. Anders werden Unternehmen die nächsten vier bis fünf Jahre nicht überstehen. Und selbst wenn viele das tun, wird ein Drittel den Bach runtergehen und die Arbeitsplätze mit ihnen.

 

 

Teilen auf:

Leave A Comment