Die Mobilität von morgen und die Antriebstechnik von heute

By Gordian Hense
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Elektromobilität ist definitiv das beherrschende Thema in den kommenden Jahrzehnten. Viele sehen den Verbrennungsmotor bereits als Auslaufmodell an und auch in der Politik scheint sich nach dem Dieselskandal und den Fridays for Future eine Trendwende abzuzeichnen.

Umso dringender stellt sich dabei die Frage, wie man mit den Abermillionen von Benzinern und Dieseln ökonomisch und ökologisch am sinnvollsten verfährt. Schließlich werden sie nicht von heute auf morgen verschwinden. Im Gegenteil, bald werden wir uns an ein Straßenbild gewöhnt haben, dass eine bunte Mischung aus Autos mit Elektro-, Diesel- und Ottomotoren beinhalten wird.

Das Stichwort bei der optimalen Nutzung der bereits vorhandenen Verbrenner-Technologie lautet dabei Ressourcenschonung. Ein Konzept, aus dem man außerdem auch viele Schlüsse und Lehren für die zukünftige Elektroantriebs-Technologie ziehen kann, denn die Grundlagen sind dieselben.

Grundsätzlich kann man das globale Klima am besten schützen, indem man bei der Produktion im Allgemeinen einen deutlich sparsameren und damit schonenderen Umgang mit den begrenzten Ressourcen des Planeten an den Tag legt.

Die Potentiale bei der sogenannten Refabrikation, also der Wiederaufarbeitung von gebrauchten Gütern sind so groß, dass hier bisweilen auch von einem schlafenden Giganten die Rede ist. Damit einher geht eine gleichzeitige Verbesserung ihrer Funktion und Lebensdauer.

Die Einsparpotenziale was den Materialbedarf in Tonnen anbelangt, gehen in die Millionen. Noch viel höhere Einsparmöglichkeiten existieren gleichzeitig im Hinblick auf den CO2-Ausstoß.

Klimaschutz und Ressourcenschonung im Automotive Aftermarket

Ein konkretes Anwendungsbeispiel liefert die Berliner Onlinewerkstatt caroobi, die nicht nur die Vermittlung von Werkstatt-Terminen radikal vereinfacht und damit revolutioniert hat, sondern sich auch darauf konzentriert, gebrauchte und wiederaufgearbeitete Motoren zu verkaufen.

Generell ist der Ansatz, Motoren unter Verwendung wiederaufbereiteten Teilen möglichst lange in Betrieb zu halten, sehr vielversprechend. So werden beispielsweise bei einer Generalüberholung alle Verschleißteile des ausgebauten und vollständig zerlegten Motors ausgetauscht und durch neue ersetzt, was es ermöglicht, das Antriebsaggregat faktisch auf eine Laufleistung von null Kilometern zurückzusetzen und ihn dadurch noch für etliche weiter Jahre in einem anderen Auto zu verwenden.

Als Konsument muss man sich bewusst machen, dass ein Pkw alles anderer als ein Wegwerfgegenstand ist. Eine Ex-und-hopp-Mentalität wäre dabei völlig fehl am Platz. So mancher mag sich noch an die Abwrackprämie erinnern, im Zuge derer zahllose Fahrzeuge, die noch voll und ganz funktionstüchtig waren und noch viele Jahre in Gebrauch hätten bleiben können.

Vielmehr handelt es sich bei einem Auto im Grunde genommen um eine Anordnung vieler Teile, die mit vergleichsweise geringem Aufwand demontiert und ersetzt werden können. Um einen noch höheren Rückgang beim Ressourcenverbrauch zu erzielen, muss der ganze Bereich Refabrikation noch viel stärker ausgebaut werden. In Deutschland ist der Ressourcenverbrauch zwar im Laufe der Jahre durch eine immer höhere Effizienz bei der Verarbeitung von Rohstoffen bereits signifikant zurückgegangen, doch die Grenze dieser Effizienzsteigerung ist allmählich erreicht.

Deswegen kann mit diesem Vorgehen allein das Ziel einer ausreichenden Umweltverträglichkeit der Produktion von Autos und Autoteilen nicht umgesetzt werden. Im Bereich Refabrikation liegen noch viele Lernpotenziale, die sich am Ende des Tages auch beim Etablieren der Zukunftstechnologie Elektromobilität als äußerst hilfreich erweisen können.

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Über den Autor

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit.