Unmengen an Energie für die Diesel- und Benzinproduktion!

By Gordian Hense
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Energie/CO2 für Diesel- und Benzinproduktion wurden aussen vor gelassen

In der ganzen Diskussion über Elektroautos vs. Autos mit Verbrennungsmotor werden wichtige Argumente aussen vor gelassen. Das verfälscht das Bild auf die Gesamtlage. Der Anteil der Energie und das CO2 das für die Diesel- und Benzinproduktion verbraucht bzw. erzeugt wird, wurde vernachlässigt. Es gibt zwar Untersuchungen nach dem Prinzip „Well-to-Wheel„, bisher waren aber die Daten für den Teil der Diesel- und Benzinproduktion nur grob angenommen. Nachdem die Diskussionen zu dem Thema immer heftiger wurden, haben Wissenschaftler sich dem Thema stärker angenommen. Daraus entstanden sehr interessante Erkenntnisse.

Für die Herstellung von 6 Litern Diesel werden 42 kWh Energie verbraucht

Das haben Berechnungen nun ergeben. Um das Öl zu bekommen, muss man erst einmal Exploration betreiben. Also geeignete Positionen finden, an dem man an das Öl ran kommt. Oft mussten Kriege geführt, ja sogar ganze Regierungen ausgetauscht werden um an diese Stellen zu gelangen. Dann musste gebohrt werden. Exxon Mobile hat kürzlich veröffentlicht, dass „der größte Energieaufwand während der eigentlichen Bohrtätigkeit anfällt, die einige Wochen beziehungsweise Monate dauert – abhängig von Gesteinsart und Tiefe der Bohrung. In Spitzen können das bis zu 80.000 kWh am Tag sein“. Dabei können, je nach Bohrloch, einige MWh an Energie benötigt werden, bis ein Liter Rohöl gefördert werden kann. Auf See ist das noch energieintensiver, da man alles was man braucht mit Schiffen dort hin transportieren muss.

Beispiele des Energiebedarfs für die Diesel- und Benzinproduktion

  • Der Arbeitskreis Innovative Verkehrspolitik in Deutschland hat den spezifischen Energieaufwand für Erdölförderung berechnet:  Um eine Energiemenge von 277 GWh aus Erdöl zu gewinnen, werden alleine für das Fördern des Öls 1 GWh an Energie benötigt.
  • Für den Transport des Rohöls zu den Raffinerien per Hochseetanker werden Unmengen an Schweröl verbrannt. Die grössten Tanker fassen 300’000 Tonnen Rohöl und verbrauchen pro Tag etwa 1 Promille der Ladekapazität. Das sind 300 Tonnen Rohöl am Tag, die beim Verbrennen ca. 950 Tonnen CO2 erzeugen. Das sind z.B. von Saudi Arabien nach Amsterdam rund 9’000 Tonnen Rohöl für eine Fahrt. Der Anteil des Rohöl-Imports nach Deutschland aus den OPEC-Staaten betrug 2017 rund 21.5 Mio. Tonnen und steigt weiter stark an. Bei rund 72’000 Fahrten, mit 30 Tagen Dauer, werden dafür also 648 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr verbrannt.
  • Viel Öl wird aber auch über Pipelines nach Europa transportiert. Besonders Deutschland bekommt sehr viel Rohöl aus Russland über Pipelines geliefert. Um das Rohöl durch die Pipelines zu pumpen sind Hochleistungspumpen notwendig. Alle 500 km muss das Rohöl erhitzt und durch Pumpen beschleunigt werden. Bei einer Länge von rund 3’700 km ergibt sich ein Energieaufwand von 833 GWh für Diesel und 583 GWh für Benzin. Der Anteil des Rohöl-Imports nach Deutschland aus Russland betrug 2017 rund 33.5 Mio. Tonnen.
  • Energieaufwand für das Raffinieren von Rohöl. Das Rohöl muss nach der Ankunft in Raffinerien in Diesel oder Benzin umgewandelt werden. Aus den Daten des Jahresberichts des Mineralölwirtschaftsverbands ergibt sich für 1 Liter Kraftstoff ein Energiebedarf von 1,6 kWh.
  • Der Transport des Diesel oder Benzins zu den Tankstellen benötigt weitere Energie. Ein Tankwagen nimmt ca. 40’000 Liter Kraftstoff auf. Der Verbrauch beträgt ca. 30 Liter auf 100 km. Im Jahr 2017 wurden laut dem Jahresbericht des Mineralölwirtschaftsverbandes Deutschland rund 32.2 Mio. Tonnen Diesel und 19.9 Mio. Tonnen Benzin abgesetzt. Im Durchschnitt fahren die Tankwagen 300 km. Das macht einen Verbrauch von rund 120 Mio. Liter Diesel im Jahr.

Anhand dieser Faktoren ergibt sich ein Energieaufwand von 42 kWh für die Bereitstellung von sechs Liter Diesel in Deutschland. Mit dieser Energie kann man mit einem Elektroauto rund 200 Kilometer weit fahren. All dieser Energiebedarf würde durch den flächendeckenden Einsatz von Elektroautos entfallen. Denn der Energiebedarf um vor Ort Strom zu erzeugen ist ein winziger Bruchteil davon.

Schifffahrt von Saudi-Arabien nach Rotterdam

Schifffahrt von Saudi-Arabien nach Rotterdam

Neben dem Mehrbedarf an Energie für die Beschaffung von Eisenerz und Kohle aus fernen Ländern (Australien, China, Süd-Afrika) für die Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotoren, ist dieser nun neu geklärte Punkt, ein weitere Beweis für eine besser Energieeffizienz von Elektroautos. In einem nächsten Beitrag werden wir auf den Energiebedarf für die Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotoren näher eingehen und beleuchten woher die Materialien kommen, viele Energie es kostet sie zu bekommen und zu verarbeiten.

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Über den Autor

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit.