7 Mega-Trends, die unsere Zukunft gestalten werden!

By Gordian Hense
7 Mega-Trends, die unsere Zukunft gestalten werden!7 Mega-Trends, die unsere Zukunft gestalten werden!

Niemand geringeres als der CEO der PSA-Gruppe, Carlos Tavares, hat diesen Satz formuliert. „7 Mega-Trends, die unsere Zukunft gestalten werden!“ In einem allgemeinen Statement begründet er seine Visionen. Die 7 Mega-Trends werden die Gesellschaft und insbesondere die Mobilität verändern. In einem seiner Statements auf der Pariser Motorshow in 2018 meinte er: „vor einigen Jahren haben wir in der PSA-Gruppe erkannt, dass starke Veränderungen auf uns zukommen werden, entweder wir passen uns diesen Veränderungen an oder wir verschwinden aus dem Markt“. Und weiter: „die Veränderungen werden sehr dramatisch sein, es ist besser man übernimmt die Verantwortung und versucht die Veränderungen mit zu gestalten, denn das bietet für uns auch Chancen“. „Eine Chance war zum Beispiel die Marke und das Unternehmen Opel zu kaufen“.

Die 7 Mega-Trends lauten

  • Die Märkte werden sich massiv verändern
  • Es wird mehr Sharing / Ride-Hailing geben
  • Energie und Umwelt sind ein Thema
  • Die Connectivity spielt eine grosse Rolle
  • Das Kundenverhalten wird sich ändern
  • Die Digitalisierung ändert viel
  • Autonomus Driving wird kommen

Veränderung der Märkte – Verlagerung der Absatzmärkte – der Rest der Welt sind 7 Milliarden potentielle Kunden

Heute liegen die Absatz-Märkte für Automobil-Hersteller zu 22 % in Nord-Amerika, 22 % in Europa und zu 28.5 % in China/Asien. Sie haben im Jahr 2000 noch 83 % des weltweiten Marktes ausgemacht. Im Jahr 2010 ist dieser Teil bereits auf 72.5 % gefallen. In 2017 hat er nur noch 52 % ausgemacht und im Jahr 2025 wird erwartet, dass er nur noch 44 % des Weltmarktes für Autos ausmacht. Das heisst, alle anderen Märkte haben stark zugelegt. In 2025 werden 56 % aller Autos nicht mehr in Europa, Nord-Amerika oder China/Asien verkauft, sondern in allen anderen Märkten.

Besonders China, Asien und die „Emerging Markets“ (Afrika, Süd-Amerika, Mittlere und Ferne Osten) nehmen rasant zu. Sie wachsen von 17 % im Jahr 2000 über 27.5 % in 2010, 48 % in 2017 und erwarteten 56 % im Jahr 2025 auf über die Hälfte des Bedarfs an Autos oder Mobilitätslösungen an. Kein Wunder, denn diese Regionen werden von rund 88 % der Menschen auf der Erde bewohnt. Es war nur eine Frage der Zeit, wann sie den Wohlstand erreicht haben um sich die gleichen Dinge leisten zu können wie die Menschen im sogenannten „Westen“.

Besonders China und Asien werden stark wachsen und dementsprechend Wohlstand anhäufen. Dadurch wächst ihre Kaufkraft und die Möglichkeit Autos an sie zu verkaufen. „Greater China“ hatte im Jahr 2000 einen weltweiten Anteil am Verkauf in Höhe von 4 %, im Jahr 2017 aber bereits 30 % und im Jahr 2025 wird ein Anteil von 37 % erwartet. Das ist mehr als in einem der westlichen Wirtschaftsregionen wie Nord-Amerika oder Europa. Der Rest Asiens repräsentiert heute einen Anteil von rund 9 % und soll in 2025 rund 11 % erreicht haben. Das heisst, „Greater China“ und der Rest Asiens werden in 2025 einen Anteil am weltweiten Automarkt von 48 % haben. Das ist fast die Hälfte aller Verkäufe auf der Welt. Es ist selbstredend, dass jeder Autohersteller sich auf diesen Markt einstellen muss, sonst wird es ihn einfach nicht mehr geben.

Für den Mittleren Osten und Afrika werden rund 6 % des weltweiten Absatzes für 2025 gerechnet. In Süd-Amerika werden Wachstumsraten, besonders durch Brasilien, von rund 5 % pro Jahr vorausgesagt. Der weltweite Marktanteil lag in 2017 bei rund 4 %. Bis 2025 werden es also rund 6 % werden.

Für Europa und Nord-Amerika bleibt, daraus resultierend, nur noch ein Anteil von 44-46 % des weltweiten Absatzes. Das heisst der Automarkt und seine Hersteller sowie alle Zulieferer müssen sich dieser Entwicklung anpassen und sich auf die Wünsche der neuen Kunden ausrichten. Wenn sie es nicht tun, gibt es genug andere die es machen werden. Besonders wenn die Technologie durch den Wechsel zu Elektromobilität immer weniger anspruchsvoll sein wird. Für die ganze Branche, die Arbeitskräfte, den Handel, das Marketing und andere Bereiche hat das schwerwiegende Auswirkungen. Besonders im „Westen“. Hersteller werden versuchen die Produktion näher an die zukünftigen Absatzgebiete zu verlagern. Das heisst im Westen Arbeitsplätze abbauen und in Asien und dem Rest der Welt aufbauen. Die Transportkosten würden einfach zu hoch, wenn hier produziert und in Asien verkauft wird. Zulieferer müssen nachziehen, sonst verlieren sie ihre Lieferanteile. Eines der 7 Mega-Trends ist also die komplette Veränderung der Absatz-, Hersteller und Zuliefermärkte.

Nachfrage nach Elektromobilität wächst stark – nicht wegen Umweltschutz, sondern wegen der Kosten

Die Elektromobilität ist ein weiterer grosser Bereich, der grosse Umbrüche und Herausforderungen erfordert. Elektromobilität ist viel billiger als Transportmittel mit Verbrennungsmotoren (LTCO). In vielen Ländern rund um die Erde werden emissionslose Transportmittel gefordert. Der Welt-Klimagipfel, initiiert und angeführt von Ländern aus dem Westen, wie z.B. Deutschland, haben lange genug von Ländern wie China verlangt, auf ihre Forderungen CO2 zu reduzieren einzugehen. China macht deshalb das einzig konsequente. Es stellt Verkehrsmittel zwangsweise auf emissionslose Transportmittel um. Aber nicht nur weil sie die Klimawünsche Deutschlands erfüllen wollen, sondern weil sie auch viel billiger sind und das grosse Land dadurch schneller mit Transportmitteln erschlossen werden kann. Bekanntlich gehört Mobilität zu einem der grossen wichtigen Pfeiler des wirtschaftlichen Erfolges eines Landes.

Ausserdem hat China mit Elektroautos eine echte Chance auf dem Automarkt, weltweit, Marktführer zu werden. Und das ist ein öffentlich erklärtes Ziel Chinas. China will den Automarkt weltweit erobern. Im Rest der Welt sollen zukünftig chinesische Autos fahren und keine aus Europa oder den USA. Das ist mit Elektroautos schneller, leichter und billiger zu realisieren. Den Aufschwung von Elektroautos haben wir nicht Grünen oder Umweltschützern zu verdanken, sondern der Strategie Chinas die Welt zu erobern. Aber auch Unternehmern wie Elon Musk die den Trend frühzeitig erkannt und darauf gesetzt haben. Die USA beweist mit Tesla und Elon Musk wieder einmal, wie weit vorne und wie flexible sie sind. Tesla ist der absolute Marktführer bei Elektroautos rund um die Welt. Und wird es, im gehobenen Bereich, wohl auch lange bleiben. Den weltweiten Massenmarkt werden die Unternehmen aus China und Asien (Korea) bedienen und anführen. Europa hat den Zug verpasst und hechelt nun hinterher.

Ein wesentlicher Vorteil Chinas und Asiens in der Produktion von Elektroautos ist, dass sie über alle Grundstoffe selber verfügen. Materialien für Batterien, Eisenerz für Stahl und Blech liegen vor Ort vor und können schnell zur Produktion transportiert werden. Das Problem Seltener Erden stellt sich für China gar nicht, es hat sie im Überfluss im eigenen Land. Und wenn das nicht ausreicht, ständen die riesigen Vorkommen in Russland – ihrem Partner – zur Verfügung. Das reicht für die nächsten tausend Jahre, wenn man es dann noch braucht. Elektroautos gehören zu den 7 Mega-Trends der Zukunft und kein Land, keine Regierung oder kein Volk kann sich davor schützen. Sie werden auf Grund der geringen Preise von allen angenommen werden.

Car-Sharing und Ride-Hailing verändern den Markt massiv

Ein weiterer riesiger Trend der 7 Mega-Trends ist das Car-Sharing (Autos teilen) und das Ride-Hailing (Transport mieten). Bereits jetzt werden auf der Welt immer weniger Autos von Endkunden gekauft. Sie werden zunehmend ausgeliehen, wenn man sie braucht. Bezahlt wird dann nur für die Nutzung. Das verändert den Markt für Autos enorm. Beim Car-Sharing wird man Mitglied einer Organisation und kann dann die Autos der Organisation für eine bestimmte Zeit günstig mieten. Nach der Nutzung gibt man es zurück. Viele grosse Firmen gehen dazu über ihren Fahrzeugpark nicht mehr zu kaufen sondern sie nach „Bedarf“ von den Herstellern oder Mittlern zu „mieten“. Auch im Privaten hat sich das Car-Sharing still und leise durchgesetzt. Die Zuwachsraten sind enorm. Laut Deloitte wird es in 2020 rund 15.6 Millionen Car-Sharing-Nutzer in Europa geben. Mit Steigerungsraten pro Jahr von rund 30 %, auch für die Folgejahre.

Ride-Hailing geht noch einen Schritt weiter. Hierbei mietet man Transportmittel nach Bedarf um von A nach B zu kommen. Und das 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, das ganze Jahr. Die Wahl des Transportmittels wird von einem Dienstleister nach optimalen Bedingungen vorgeschlagen. Über eine App gibt man den Start- und Zielpunkt ein, sowie die Uhrzeit zu der man fahren will, die Software des Unternehmen macht daraufhin Vorschläge für Reiserouten. Von ganz kleinen Strecken in Städten, bis zu Weltreisen, alles ist möglich. Dabei schlägt die Software dann Transportmittel und Zeiten nach optimalen wirtschaftlichen Bedingungen vor. Das ist hoch flexible und bereits jetzt oft so günstig wie der öffentliche Nahverkehr. Im einfachsten Fall ruft man über die App eine Fahrt zum Restaurant. Ein autonom fahrendes Auto kommt so bald vorgefahren, so bald es kann. Sendet eine SMS, das es da ist. Fährt einen zum Restaurant und nimmt dann die nächste Fahrt auf. Zurück kommt man, in dem man den Prozess in umgekehrte Richtung wiederholt. Die Konzepte gibt es schon und werden international eingesetzt. Das Unternehmen Didi Chuxing aus China, in etwa so gross wie Siemens, setzt diese Methode in China schon mit ca. 400’000 Fahrzeugen ein. Diese werden noch mit Fahrern gefahren. Gerade hat Didi Chuxing aber mit der Firma BAIC ein Joint-Venture gegründet, das elektrisch betriebene, autonom fahrende Autos für diesen Zweck herstellen soll. Der Fahrer macht 50 bis 60 % der Kosten aus. Kann man die einsparen, kann man überall in der Welt unter den Preisen des öffentlichen Nahverkehrs anbieten. Wer sollte da noch Zug, Tram oder Taxi fahren?

Besonders Ride-Hailing werden enorme Chancen zugeschrieben. Weltweit machen immer mehr junge Menschen keinen Führerschein, weil er teuer und kompliziert ist. Ausserdem scheuen sie die hohen Anschaffungskosten eines eigenen Autos. Sie nutzen heute schon lieber mit Freunden ein Taxi oder den ÖV. Ride-Hailing kommt dieser Zielgruppe also enorm entgegen. Ob man im Ausgang dann auch was trinken kann, das Geld für den Führerschein und die Anschaffung des Autos spart oder einfach relaxt, für wenig Geld auf Weltreise geht. Das ist mit Ride-Hailing viel leichter und billiger möglich, als mit herkömmlichen Mitteln. Didi Chuxing bietet über seinen Service alles an was man braucht um eine Reise zu machen. Das kann sogar das Mieten eine Elektro-Scooters in der Innenstadt von Hongkong sein.

Nachhaltige Energiegewinnung und Umweltschutz

Immer mehr Menschen auf der Welt beziehen in ihre Entscheidungen Gedanken über Umweltschutz oder nachhaltiges Handeln mit ein. Diesem Wunsch muss die Automobilindustrie Rechnung tragen. Ein Weg in diese Richtung ist die Elektromobilität, die bei den meisten Protagonisten, als aussichtsreichste Variante umgesetzt werden wird. Darüber hinaus muss die Automobilindustrie zu einer Mobilitätsindustrie werden, die also mehr anbietet als nur den Verkauf eines Fahrzeuges. Siehe Ride-Hailing im vorhergehenden Absatz.

Ab 2021 wird die europäische Gesetzgebung vorschreiben, dass die Automobilhersteller ihre derzeitigen durchschnittlichen CO2-Emissionen pro Kilometer um 40% senken müssen. Schon jetzt werden die Grenzwerte, die sich die Automobilindustrie zusammen mit der EU-Kommission gesteckt hat, nicht eingehalten. Die Diesel-Fahrverbote-Diskussion, in Deutschland, ist eine Auswirkung davon. Auch deshalb sind Konzepte, die weit über die Elektromobilität hinaus gehen, gefragt. Denn alleine mit Elektromobilität und fahren wie bisher, werden sich diese Ziele nicht erreichen lassen. Das heisst, man muss den Verkehr reduzieren in dem man die Fahrzeuge effizienter einsetzt. Eine Person pro Fahrzeug und Fahrt, wie heute üblich, ist nicht effizient. Untersuchungen zeigen, dass bei einem hundertprozentigem Einsatz autonom fahrender Fahrzeuge „on demand“, die Menge der fahrenden Fahrzeuge sich mehr als halbieren lassen. Weil die Fahrzeuge in einer Zeiteinheit mehrfach Personen transportieren können, die sonst so viele Autos wie Fahrten vorgenommen haben. Ein autonomes Auto ersetzt also in diesen Fällen die gleiche Anzahl an sonst fahrenden Autos. Natürlich vorausgesetzt, die Passagiere machen das mit. Der Preis und der praktische Nutzen wird sie aber überzeugen.

Das kann noch gesteigert werden, werden diese Fahrzeuge im Shuttel-System verwendet. Ein autonom fahrendes Auto nimmt auf der Wegstrecke von A nach B an unterschiedlichen Haltestellen Fahrgäste mit, die wieder jeweils an ihrer Wunschhaltestelle aussteigen. Die intelligente Steuerungssoftware fährt das Fahrzeug so, dass es ein Maximum an Fahrgästen transportiert aber gleichzeitig für jeden Fahrgast eine möglichst schnelle und effiziente Transportmöglichkeit bietet. Die Software rechnet bei jedem neu einsteigenden Fahrgast die Route optimal neu. Dadurch lässt sich die Anzahl der Fahrzeuge auf den Strassen noch einmal halbieren. Unter dem Strich bedeutet das, dass mit autonom fahrenden Shuttel-Systemen nur noch 25 % so viele Autos auf den Strassen unterwegs sind, wie heute. Eine enorme Reduzierung der Belastung der Infrastruktur und Ressourcen.

Und zu guter Letzt, muss an der nachhaltigen Energiegewinnung für die Elektroautos gearbeitet werden. Die Kernenergie wurde ideologisch verbrämt, schlecht geredet und verteufelt. Das ist und war ein Fehler. Man hätte sie sicherer machen müssen und als Alternative zu den erneuerbaren Energien einsetzen können. Dann wären die Probleme der CO2-neutralen Energiegewinnung gelöst. Man könnte das mindestens so lange machen, bis man andere Alternativen hat. Deutschland z.B. steht jetzt vor einem grossen Problem, die Kohle-Energie soll abgeschafft werden, Kernkraft wurde abgeschafft und die erneuerbaren Energien sind nicht in der Lage das Land zu versorgen. Beziehungsweise sind die Überlandleitungen das Problem. Manche Parteien weigern sich Überlandleitungen für das Durchleiten des Stroms vom Norden nach Süden zu genehmigen oder sie blockieren die Umsetzung. Die Nachhaltige Energiegewinnung und Umweltschutz gehören schon jetzt zu den 7 Mega-Trends der Branche.

Wenn die 7 Milliarden Menschen, welche in den restlichen Ländern leben (im Westen 1 Milliarde gerechnet), den gleichen Wohlstand haben, wie wir, und jeder zweite ein Auto fahren will, würde das mit Verbrennungsmotoren einen totalen Kollaps der Erde bedeuten. Das konnte man bisher an China sehen. Schon aus diesem Grund sind Elektroautos die Wahl der Zeit. Dazu muss aber auch die Energie nachhaltig und umweltfreundlich erzeugt werden. Die Dimensionen sind so gross, dass das nur mit Kernenergie gelingen wird. Man kann also schon jetzt voraussagen, dass im Rest der Welt sehr viele Kernkraftwerke entstehen werden. Zusammen mit Energie aus nachhaltigen Quellen, wie Wasser, Sonne und Wind kann dann die Nachfrage dann gestillt werden. Diese Schwellenländer benötigen, genau so wie wir, eine funktionierende Infrastruktur zu der Individualverkehr natürlich dazu gehört, sonst können sie ihren Wohlstand nicht entwickeln.

Digitale Schnittstellen

Digitale Schnittstellen

Digitalisierung und Connectivity ist der Schlüssel für viele Möglichkeiten

Die Digitalisierung, auch eines der 7 Mega-Trends, wird das Transportwesen, die Automobilindustrie und damit auch alle Fahrzeuge erfassen und nachhaltig verändern. Die Anfänge, welche wir bereits kennen, wie Navigationssysteme, Sprachsteuerung oder automatisierte Hilfssysteme, Not-Bremsung, ESP, ASP und wie sie alle heissen, waren nur der Anfang. Autos werden in Zukunft vernetzt sein, untereinander oder mit Objekten des Verkehrs kommunizieren. Das birgt einige Gefahren aber auch riesige Chancen für Hersteller und Kunden.

Ein erster Schritt wird sein, Fahrzeuge mit Objekten und untereinander kommunizieren zu lassen. Das heisst, ein Auto kann dann z.B. mit der Ampel, mit dem Garagentor, mit der Tankstelle oder der Ladestation kommunizieren. Nähert sich ein Auto und ist die Kreuzung frei, schaltet die Ampel dann für das ankommende Fahrzeug auf grün. Das Garagentor öffnet sich sobald man vorfährt. Die Ladestation sagt einem an welcher Säule man am meisten und schnellsten aufladen kann. Das kann so weit gehen, dass man über diesen Dienst gleich den Strom oder das Benzin bezahlen kann ohne auszusteigen. Autos könnten dann untereinander kommunizieren um z.B. die beste gemeinsame Geschwindigkeit zu wählen, vor Gefahren warnen die zwei oder drei Autos vor einem entstehen oder sogar Nachrichten an andere Fahrzeuge übermitteln.

Das Display im Auto wird in Zukunft eine Verkaufsplattform werden um den sich Dienstleister und Händler reissen werden. Displays im Auto werden zu multimedialen Empfangs- und Sendestationen. Online Musik über Dienste wie Spotify oder von Apple oder von Amazon. Videos von YouTube, Vimeo, Netflix oder von einem der grossen Hollywood Studios. Reise-, Flug- und Hotelbuchungen können darüber abgewickelt werden, da alles mit dem Internet verbunden ist. Bezahlsysteme werden sich darum reissen integriert zu werden. McDonald DriveIn wird dann eine Station weniger haben, die Bezahlung erfolgt direkt in der Kommunikation Auto zu McDonald Kasse.

Dadurch erschliessen sich auch neue Geschäftstätigkeiten für Autohersteller. Denn sie haben die Macht darüber, was auf dem Display ihrer Marke erscheint, was auf dem Bordcomputer installiert wird oder nicht. Vermittler von Hotelbuchungen stehen schon jetzt bei Autoherstellern Schlange um eine Lizenz für eine App auf dem Bordcomputer zu bekommen. Natürlich verhandeln alle grossen Autohersteller mit den ganz grossen in der Branche – Apple, Google und Amazon um deren Dienste integrieren zu können. Wer in Zukunft das beste Paket seinen Endkunden bieten kann, kann zusammen mit dem Fahrvergnügen das beste Preis-/Leistungsverhältnis bieten.

Natürlich bieten diese Dienste auch den Herstellern direkte Vorteile. So kann eine Marke ihre Kunden direkt im Auto über eine neue Leasing-Möglichkeit oder ein mögliches Upgrade informieren. Herstellern bieten sich damit ungeahnte Möglichkeiten auf Kundenwünsche einzugehen. Für Kunden bedeutet das eine neue Fülle an Dienstleistungen und Services, die sie direkt aus dem Auto in Anspruch nehmen können.

Das autonome Fahren benötigt viele elektronische Hilfsmittel um Fahrzustände zu ermitteln und daraus den richtigen Weg zu erkennen. Diese Sensoren, Kameras oder Detektoren erfassen viele Daten, die sie an die Zentrale melden können. Dadurch werden ganz neue wirtschaftliche Möglichkeiten offen. Zum Beispiel könnte eine Versicherung sagen, wenn Du immer brav und ordentlich fährst, sinkt Deine Versicherungsprämie entsprechend. Wir messen das an Deinen Fahrzeugdaten, die Du uns ständig sendest. Ein Hersteller könnte einen Wiederverkaufspreis errechnen der die Abnutzung mit einbezieht die er aus den Fahrzeugdaten erhält. Ein Auto das sanfter gefahren wurde, hat eine geringere Wertminderung.

Diese Dinge werden schneller kommen als sich mancher das vorstellen kann. Zu gross ist die Verlockung damit Geschäfte zu machen. Zum Wohl der Kunden, wohlgemerkt. Schon heute macht der After-Sales – Service bei den Autoherstellern rund 36 % (Accenture) des gesamten Gewinns aus. Dieser könnte zu Gunsten eines geringeren Kaufpreises steigen. Wenn Hersteller merken, sie können mit ihrem After-Sales – Service und anderen Online-Dienstleistungen mehr verdienen, können sie die Verkaufspreise der Autos ganz anders kalkulieren. Erst recht, wenn es immer mehr in Richtung Leasing, Car-Sharing oder sogar Ride-Hailing geht.

Bei den Batterien für Elektroautos überschlagen sich die Dinge förmlich. Die Software für das Batteriemanagement entwickelt sich praktisch täglich weiter. Die Konkurrenten dafür überbieten sich ständig mit neuen Features. So können durch Optimierung der Software auf einmal bis zu 25 % Leistung eingespart werden. Durch KI (Künstliche Intelligenz) können neue Konstruktionen von Batterien und Zusammensetzungen geschaffen werden, die auf kleinerem Raum, mit weniger Abwärme und geringeren Risiken hergestellt werden. Die Entwicklung geht so rasant vorwärts, dass Innsider keine Prognosen über zwei oder drei Jahre wagen. Feststoffbatterien mit drei mal so hoher Leistungsdichte und geringerem Gewicht werden gerade erforscht. Eine Realisierung könnte in ein oder zwei Jahren vonstatten gehen. Das wäre eine weitere Revolution. Das alles ist nur durch die Digitalisierung, massive Datenerfassung, höhere Rechenleistung und bessere Software möglich. Alles befruchtet sich gegenseitig sehr stark. Deshalb spricht man, in diesen Zusammenhängen, auch von „Disruption“ (Zerstören/Ersetzen).

Das interessante an der ganzen Entwicklung ist, dass sie mit einem mal rasant weltweit fortschreitet und auf einmal alle möglichen neuen Player in das Gebiet vorpreschen. So fangen Zulieferer bereits an, neue Geschäftsmodelle für diese Entwicklung aufzubauen. Der Konkurrenzkampf wird zudem immer globaler. Was früher eine Firma Bosch liefern konnte, kann  morgen schon aus Taiwan, China oder den USA kommen. Derzeit herrscht eine extreme Dynamik im Markt, die erst einen Anfang an Bewegung darstellt.

Quellen u.a: PSA

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Über den Autor

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit.

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