Tesla Patent für eine Gussmaschine zur Erstellung kompletter Fahrzeugrahmen

By Gordian Hense
Tesla Patent GussmaschineTesla Patent Gussmaschine

Im Januar 2018 hat Tesla ein Patent für eine neuartige Mehrfach-Gussmaschine angemeldet. Dieses Patent ist unter der Veröffentlichungsnummer US-20190217380 zu finden. Die genaue Beschreibung inkl. Zeichnungen kann man auf patentscope nachlesen bzw. ansehen. Hierbei handelt es sich um eine Maschine mit der, mit Hilfe von Aluminiumguss, ein kompletter Fahrzeugrahmen gegossen bzw. erstellt werden kann. Dieser Prozess soll, in der idealen Ausbaustufe, in einem Vorgang geschehen. Das kann aber auch in mehreren Stufen passieren. Vorstellbar ist, dass in die Maschine vorgefertigte Bauteile eingebracht werden und dann diese durch hinzufügen von Gussteilen direkt in der Anlage verschmolzen werden.

Tesla Patent in der Gigafactory 3 in China schon in Betrieb?!

Nun wird vermutet, dass diese Anlage, in der soeben errichteten und in Betrieb genommenen Gigafactory 3 in China, bereits in der Produktion eingesetzt wird. Dort wird das neue Model Y von Tesla gefertigt. Erste Bilder im Netz sind dazu aufgetaucht, auf denen man sehen kann, dass die Maschine schon im Betrieb ist. Damit werden einzelne Komponenten des Fahrzeugrahmens verbunden. Im Heck, des Fahrzeugs, sind Aluminiumguss Elemente fest mit der Karosserie verbunden. Die sonst zu dem Fahrwerk gehören und separat montiert werden müssen. Man geht davon aus, dass das erst die ersten Schritte sind und in Zukunft immer grössere Baugruppen in einem „gegossen“ werden. So wie es auch in der Patentschrift beschrieben steht. Ziel ist natürlich irgendwann den Fahrzeugrahmen aus einem Stück automatisiert zu fertigen. Das würde extrem hohe Kosten einsparen.

Tesla Gussmaschine

Tesla Gussmaschine

Hintergrund zu der neuen Gussmaschine und dem Tesla Patent

Bei der Herstellung von Autos entsteht die grösste Wertschöpfung in der Montage. Je weniger Teile ein Auto hat, die montiert werden müssen, um so grösser und schneller ist die Wertschöpfung. Alleine deshalb haben reine Elektroautos mit Batterie (BEV) schon einen grossen Vorteil gegenüber Autos mit Verbrennungsmotor (ICE). Für den Bau eines ICE benötigt man ca. 100’000 Teile und für ein BEV ca. nur 10’000 Teile. Das ist um den Faktor zehn weniger bzw. dementsprechend eine um den Faktor zehn höhere Wertschöpfung.

Natürlich gibt es auch bei BEVs immer mehr Wettbewerb. Deshalb müssen Hersteller die Wertschöpfung immer weiter verbessern, um vor dem Wettbewerb bestehen zu können. Ein „Vorsprung durch Technik“ bietet natürlich auch grössten Schutz. Tesla ist in vielen Gebieten rund um sein Tätigkeitsfeld sehr innovativ. In der Herstellung der Tesla Fahrzeuge möchte man deshalb weitere Baugruppen zusammenführen um weniger Teile montieren zu müssen. Dadurch steigt die Wertschöpfung und letztlich der Gewinn. Je mehr Tesla die Kosten senken kann, kann die Firma auch diese Vorteile in Form von niedrigeren Preisen an die Kunden weiter geben. Was die Wettbewerber massiv unter Druck setzt. Denn, um konkurrieren zu können, müssen sie dann auch die Kosten senken.

Kein anderer Wettbewerber arbeite derzeit an solchen Modellen

Von Tesla ist bekannt, dass es sein Unternehmen vertikal ausgerichtet hat. Das Unternehmen versucht die Herstellung von so vielen Bauteilen wie möglich in eigenen Händen zu halten. Zumindest die, die eine Wettbewerbsvorteil bieten bzw. garantieren. Gleiches gilt für die Technik mit der die Teile gefertigt werden oder den Produktionsprozess.

Die meisten heutigen Wettbewerber zu Tesla haben eine horizontale Struktur. Sie kaufen so viel wie möglich Teile bei Zulieferern ein oder / und lagern die Fertigung aus. Überlassen oder teilen zumindest damit oft die Technologieführerschaft. Das Tesla Patent und die direkt Umsetzung in Shanghai zeigen auch die enorme Dynamik mit der das Unternehmen umsetzt. Ein einhalb Jahre nach Veröffentlichung des Patents wird es in die Tat umgesetzt. So ist das bei keinem Wettbewerber zu beobachten.

Da sich Tesla voll auf reine Elektroautos konzentriert, kann es auch auf diesen Gebieten so viel Gas geben wie es will. Mitbewerber haben den Fehler begangen, zögerlich auf reine Elektroautos umzuschwenken. Das bindet Ressourcen, die man für die Umstrukturierung benötigen würde. Viele bieten jetzt z.B. erst halbherzige Hybrid-Modelle an, während Tesla seine Modellpalette und sein Ladenetzwerk ausbaut, die Kosten senkt und auf allen kritischen Technologien innovativ und führend bleibt. Der „Vorsprung durch Technik“ nimmt bei Tesla schneller zu als gedacht.

Teilen auf:

Weitere Artikel



Über den Autor

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit. Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Das Zeitlimit ist abgelaufen, bitte erneuern Sie das CAPTCHA.