Tesla Gigafactory in Deutschland, die Chancen stehen 3 zu 2 gegen den Erfolg

By Gordian Hense
Tesla Gigafactory 1 NevadaTesla Gigafactory 1 Nevada

Tesla Gigafactory 4 für Deutschland angekündigt

Diese Woche erhielt Elon Musk, der Gründer, Direktor des Verwaltungsrats und Mitinhaber von Tesla, die Auszeichnung „Goldenes Lenkrad“ in Berlin. Diese Veranstaltung der BILD-Zeitung nutzte er um seine weiteren Pläne für Tesla bekannt zu geben. Die vierte Gigafactory will Tesla in Deutschland, nahe Berlin, erbauen und betreiben. Bisher gibt es drei Gigafactories in denen Batterien, Elektroautos und Komponenten für und von Tesla hergestellt werden. Zwei in den USA und, seit ein paar Tagen fertiggestellt, eine in China. Die Gigafactory 3 in Shanghai wurde in nur 12 Monaten auf die Beine gestellt und liefert seit ein paar Tagen bereits Fahrzeuge aus. Es ist stark zu bezweifeln, dass Tesla das mit der Gigafactory 4 in Deutschland in der gleichen Zeit schaffen wird. Wenn überhaupt. Die Widerstände in Deutschland, aus verschiedensten Gründen und Quellen für dieses Projekt, sind jetzt schon legendär. Siehe den BER – den neuen Berliner Flughafen – der über Jahre verzögert wurde und gravierende organisatorische, wirtschaftliche und technische Mängel aufweist.

Ob Elon Musk wirklich weiss was er da tut?

Der Plan bietet hohe Risiken. Deutschland, das marktbeherrschende Mutterschiff der Automobilindustrie auf diesem Planeten, ist für Tesla, den grössten Elektroautohersteller der Welt, so etwas wie es die Löwen-Grube für die Gladiatoren in Rom wohl war. Dort wieder heile heraus zu kommen ist vermutlich nicht möglich. Tesla wird ein rauher, kalter Wind aus allen erdenklichen Richtungen entgegen blasen. Die positiven Stimmen dazu verblassen, wie immer in Deutschland, im Einerlei der Besserwisser-Fraktion. Die grössten Konkurrenten, die immer noch nicht wirklich begriffen haben, wie sich der Markt wandelt, sind dabei wahrscheinlich eher das kleinere Übel. Nicht beim Aufbau des Werkes jedenfalls, aber bei der „Beeinflussung“ und dem „Kopieren“ des späteren Umfelds dann um so mehr. Viel schlimmer aber werden die Greta-Jünger, die Umweltschützer, die jedes wirtschaftliche Vorgehen für Umweltschutz grundsätzlich ablehnen, sein. Dazu kommt eine Politik und Politiker die sich mehr um Lobbyisten und ihre eigene Karriere kümmern. Ganz zu schweigen von der extremen Bürokratie durch Gesetze und deren Bewacher. Und last but not least alle verbitterten, kleinen Arbeiter und Angestellten die jetzt aus der Autoindustrie oder deren Umfeld entlassen werden und dafür einen Schuldigen suchen. Und das Offensichtliche für schwache Gemüter, ist immer das einfachste Ziel, das man ohne nachzudenken anvisieren kann.

Foren und Kommentare sind voll mit Häme, Ablehnung und Witze

Sofort nach bekanntwerden der Nachricht reihten sich Umweltschützer auf, um gegen die Pläne von Tesla vorzugehen. Sogar Fernsehanstalten, aus dem Gebiet, dass bis zu 10’000 neue Arbeitsplätze durch das Werk bekommen soll, stimmen in ein Bashing gegen Tesla mit ein das seines Gleichen sucht. Auf rbb (Rundfunk Berlin / Brandenburg) einem staatlichen Sender, wurden sogleich Parolen verbreitet. „Artensterben, abholzen von Kiefernwäldern, nur für Luxusautos, unglaublicher Zeitdruck“ waren nur wenige Themen die dort skandiert wurden. In den Foren von spon (Spiegel Online, Giga oder Gaga?) überschlagen sich Kommentatoren im Verunglimpfen des Unternehmens, der Elektromobilität und der Sinnhaftigkeit von wirtschaftlichen Projekten. Immer mehr, immer schneller und immer besser wird da rigoros abgelehnt. Journalisten-Kollegen die mit ihren Artikeln zeigen, dass sie weder von wirtschaftlichen, technischen noch logistischen Zusammenhänge eine Ahnung haben, machen mal eben aus der Kapazität eines Akkus die Einheit „Leistung“ und unterschlagen wesentliche Fakten. Man hat das Gefühl, in Deutschland leben nur noch Menschen, die nicht wissen wovon sie leben.

Es kursiert bereits der folgende Witz:

„In fünf Jahren wird #ElonMusk vor einem Oberverwaltungsgericht um die Genehmigung des Baus der Abbiegespur kämpfen, die Grundlage dafür ist, dass er die Zufahrtsstraße bauen darf, die zu dem besetzten Grundstück führt, auf dem irgendwann seine Fabrik entstehen soll.“ 

Widerstand gegen Teslas Pläne

Widerstand gegen Teslas Pläne – Dieses Bild kursiert im Netz.

Die Widerstände muss Tesla ernst nehmen sonst kommt es zum Desaster

Wenn in Deutschland schon einheimische Unternehmen und Unternehmer am Amtsschimmel, Widerständen aus der Bevölkerung oder dem Lobbyismus scheitern und verzweifeln, und lieber Arbeitsplätze im Ausland aufbauen, wie soll es dann einem US-Unternehmen ergehen? Selbst wenn Tesla viele Befürworter und Mitstreiter hat, wird es sehr schwer und teuer werden die Ziele so zu erreichen wie sich Elon Musk das vorstellt. Der oben genannte Witz ist aber für mich eher bittere Realität als Phantasie und es kann Elon Musk tatsächlich so ergehen. Wenn schon andere wichtige Deutsche CEOs Elon Musk mit einem „kiffenden“ Spinner vergleichen. Wie wird das wohl mit dem Rückhalt in der Politik? Ich stelle mir so mal ein Gespräch zwischen Merkel, Musk und Joe Kaeser vor? „Ich habe noch nie gekifft, aber es auch nicht geschafft die Akku-Produktion in Deutschland zu etablieren. Die für Deutschland ja ein riesiges Geschäft wäre und wir bei uns alle Kapazitäten dafür hätten. Wieso soll jetzt Tesla Subventionen für ein echtes neues Werk bekommen, die wir fürs Nichtstun bekommen haben?“

Dennoch ist die Entscheidung ein Geniestreich sondergleichen!

Wenn Tesla es tatsächlich schafft in Deutschland die Gigafactory 4 zu etablieren, dann ist das Ganze ein Geniestreich sondergleichen. Denn für die Autoindustrie gilt, was für New York gilt: „If you make it there, you will make it everywhere“. Der Deutsche Markt gilt als anspruchsvollster und schwierigster auf der Welt. Mit einem Schlag hätte Elon Musks alle Ressentiments in Europa und auch Teilen der Welt gegen Elektroautos und Tesla geglättet. Der Zuspruch der Bevölkerung, der Zulieferer und der Mitarbeiter in den Werken aber auch der Politiker würde in ganz Europa ausstrahlen und für mehr Absatz von Tesla-Fahrzeugen sorgen. Viele Teile in Teslas werden ja von Deutschen Unternehmen geliefert. So wäre auch auf dieser Seite für mehr Effizienz gesorgt. Das ist auch ein Argument gegen die ewigen überbesorgten Umweltschützer. Grundsätzlich ist die Entscheidung auch eine riesige Marketing-Massnahme. Man stelle sich vor, man müsste diese Publicity durch Werbung erzeugen. Alleine das ist schon Milliarden wert. Die Nachricht geht ja um die ganze Erde.

Donald Trumps Zölle entkräftet

Donald Trump wird der Wind aus den Segeln genommen, was die Zölle gegen Autos aus Europa angeht. Denn in Brandenburg soll das Model Y gebaut werden, das dann auch von Deutschland in die USA geliefert werden würde. Es soll, bisher, nirgendwo anders gebaut werden. Donald Trump würde sich dann selber ins Knie schiessen, wenn er von einem US-Unternehmen Zölle dafür verlangt, dass es Autos aus eigener Produktion in die USA importiert! Logistisch ist die Auswahl des Standorts ebenso ein Meisterwerk. Die Seidenstrasse, über die die meisten Batteriezellen nach Europa kommen, geht auf dem Seeweg nach Rotterdam, von dort über Flüsse bis nach Duisburg. Von dort ist es ein Leichtes per Zug die Güter nach Brandenburg zu transportieren. Minimale Kosten, minimale Umweltbelastung und schnell. Die andere Route der Seidenstrasse geht über den Zugweg direkt nach Berlin. Auch von Vorteil.

Fazit – die Chancen stehen 3 zu 2 gegen den Erfolg

Aus meiner Sicht stehen die Chancen der Gigafactory 4 in Deutschland leider 3 zu 2 gegen den Erfolg. Die entscheidenden Nachteile sind: 1.) Dauer der Fertigstellung gegen den Widerstand der mannigfaltigen Bewegungen und der Bevölkerung. Wird der Aufbau verzögert, kostet das den Konzern zu viel Geld, was die Aktionäre nicht goutieren werden und den Gewinn reduziert. 2.) Amtsschimmel in Deutschland. US-Unternehmen haben sich schon immer schwer getan, die verwinkelten Bestimmungen in Deutschen Gesetzen und das Denken in Deutschen Amtsstuben und bei Bürokraten nachzuvollziehen. Das könnte Stolpersteine für das Projekt bedeuten, die weitere Zeit und Kosten verursachen. 3.) Die Konkurrenz wird einmal mehr versuchen alles zu verhindern was Tesla fördern kann, und sie spielen das Spiel hier das erste mal in ihrem Sandkasten. 4.) Ein weiterer Punkt wird der Know-How Transfer sein, der durch die Ansiedlung der Gigafactory in Deutschland, zu den Konkurrenzunternehmen, geschehen wird. Auf lange Sicht könnte Tesla seinen technologischen Vorsprung an die Konkurrenz verlieren, da sich das Wissen zwischen ihnen in der Nähe leichter nivelliert. Die Vorteile: 1.) Mit dem Gigafactory Standort in Deutschland und Europa werden viele Ressentiments in Europa gegenüber Tesla aber auch Elektroautos egalisiert. 2.) Der Zuspruch der Endkunden in Europa wird durch den neuen Standort zunehmen. Was sich auf die Verkaufszahlen positiv auswirken wird. 3.) Mit der Gigafactory 4 hat Tesla nun in den wichtigsten Absatzmärkten für Autos in der Welt klar Position bezogen und kann dann von dort direkt liefern. Das wird sich auf die Stückzahlen und die Kosten positiv auswirken und den Gewinn erhöhen. 4.) Die Marktmacht Teslas wird durch den neuen Standort massiv ausgebaut. 5.) Die Kooperation mit Deutschen Zulieferern und Konkurrenten, vor Ort, „kann“ sich positiv auf die Entwicklung von Tesla auswirken. 6.) Die Nähe zur Deutschen Bundesregierung, die in Europa ziemlich den Ton angibt, kann auch ein strategischer Vorteil sein. Der Einfluss auf Gesetze ist damit bestimmt. 7.) Das Unternehmen kann von den Fördermassnahmen der Bundesrepublik Deutschland und EU profitieren.

Man muss abwarten und die Dinge intensiv beobachten, ob sich Deutschland wieder einmal um eine riesige Chance bringt oder doch mal wieder die Vernunft obsiegt.

 

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Über den Autor

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit. Journalist, Mitglied im Verband Europäischer Fachjournalisten.