Mobilität: Die neue Definition von Transportmitteln!

By Gordian Hense
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Derzeit wandeln sich mehrere Branchen in einem rapiden Tempo, die alle mit Mobilität zu tun haben. Computer, Software und das Internet haben die Basis für die digital Mobilität gelegt. Durch die Kombination dieser Elemente sind auf einmal kostengünstig Dinge möglich, die früher undenkbar waren. Pioniere in der digitalen Branche haben erkannt, dass sie mit ihrem Know-how den gesamten Mobilitäts- und Transportmarkt aufrollen und ihn in ganz anderer Weise nutzen können.

Transformation mehrerer Branchen und Unternehmen in die Digitalisierung

Wo früher einzelne Branchen und Unternehmen für Teilbereiche von Mobilität, Energie, Transport und Logistik verantwortlich waren und ihre Insellösungen schufen, entstehen heute ganz anders geartete Unternehmen die diese Bereiche global vernetzen und als eine Einheit sehen. Man könnte auch sagen, Dank Software und digitaler Hardware, sowie ihrer Vernetzung werden ganz andere Strukturen und Geschäftsmodelle möglich.

Früher stand bei Automobilen der Motor, die Technik und die Leistungsdaten im Vordergrund. Das Userinterface war schon immer so, wie früher. Was man damit machen konnte, war eindimensional. Nämlich von A nach B fahren. Die Geschwindigkeit ablesen, oder wie viel Treibstoff man noch hat. Die ersten Schritte in die Digitalisierung begannen mit den Navigationssystemen, Freisprecheinrichtungen oder der Sprachsteuerung von Funktionen: „Mercedes bitte Licht einschalten“.

Elektromobilität wurde durch die moderne Hard- und Software und moderner Kompositionen von Akkus effektiv und kostengünstig möglich. Die Lernkurve bei der Entwicklung von Akkutechnologie ist durch Computer und Software extrem beschleunigt worden. Vor zehn Jahren kostete die Herstellung einer Speichereinheit für Strom noch den zehnfachen Betrag wie heute. Durch intelligente Software, moderne elektronische Bauteile und eine gute Gesamtkomposition können Akkusysteme heute effizient, schnell und langlebig hergestellt werden. Die Lernkurve wird weiter so gehen, sodass in ein paar Jahren die Kosten, Effektivität und der Umweltschutz um mindestens den Faktor zehn vorwärtsschreitet. Das wäre mit Verbrennungsmotoren unmöglich zu realisieren, da es dort einfach physikalische Grenzen gibt, die schon lange erreicht wurden.

Der Diesel-Skandal hat gezeigt, dass die Autohersteller die politischen Vorgaben unmöglich weite so umsetzen konnten. Das Ergebnis war, das man sich nicht anders zu helfen wusste, als die Messwerte zu manipulieren. Eine weitere „wesentliche“ Optimierung ist bei Verbrennungsmtoren und dem System fossile Ressourcen zu verbrennen nicht möglich. Aber bei Akku betriebenen Fahrzeugen schon. Die Möglichkeiten Akkus zu optimieren und mit anderen Materialien höhere Leistungswerte auf kleinerem Raum zu schaffen, befinden sich immer noch am Anfang. Haben aber schon um den Faktor 10 dazu gelernt. Das heisst, hier ist noch viel möglich und der internationale Wettbewerb treibt das stark voran. Alle wollen Autos oder Fahrzeuge mit kleineren und leistungsfähirgeren Akkus konstruieren und verkaufen. Wer bei der Software, den Akkus und der Ladetechnik die Nase vorne hat, wird gewinnen.

Tesla Powerwall

Tesla Powerwall

Mobilität, Energieversorgung und Ausfallsicherheit neu gedacht

Auch durch diese Entwicklung wurde Elektromobilität im grossen Stil möglich und es entstanden Firmen wie Tesla, die als vollkommene Neulinge anfingen Autos zu bauen. Die Mobilität anders zu denken begannen und mit einem Gesamtkonzept versahen, dass Energieerzeugung, nachhaltigen Umweltschutz und intelligente Logistik miteinander verknüpften. Die Nutzung von Strom als Energiequelle und Akkus als Energiespeicher sind dabei durchdachter Bestandteil hin zu einer Welt mit virtuellen Stromnetzwerken. Eine dezentral Stromerzeugung, in der jeder sich und andere mit Strom beliefert. Das stellt einen Quantensprung in der Energieversorgung dar. So wie das Internet gegen Unterbrüche gesichert ist, kann das Stromnetz wartungsfrei und ausfallsicher werden. Das ist die Grundidee hinter den Produkte von Tesla: Elektroautos, Solaranlagen, Speicher, Management-Softwar und eigene Netze.

Weg von zentralen und mächtigen Energiekonzernen hin zu Strom von jedem für jeden. Tesla liefert dafür schon länger alle notwendigen Produkte. Solaranlagen für das Hausdach, Zwischenspeicher (Walboxen) mit denen der Strom gespeichert wird und Software mit der, der Strom und der Handel damit gemanagt werden kann. Hat man dann noch einen Elektrowagen in der Garage, kann man den sowohl als Speicher nutzen und ihn mit eigenem Strom aufladen. Bleibt dann noch Strom übrig, kann dieser in das öffentliche Netz verkauft werden. Das Elektroauto ist also hier schon viel mehr, als ein Mittel um von A nach B zu fahren.

Tesla Solardach

Tesla Solardach

Autonomes Fahren, Transport von Waren und Logistik

Die Digitalisierung der Fahrzeuge bietet unglaubliche Lösungsmöglichkeiten. Das autonome Fahren wird möglich. Und damit eröffnen sich Möglichkeiten an die man mit herkömmlichen Fahrzeugen nie hätte denken können. Dadurch, dass Autos praktisch Computer mit Rädern werden, kann man Dinge realisieren, die allen zu Nutzen sind. In den USA benutzen z. B. viele schon ihr Elektroauto als Depot für Waren die eine Spedition liefert. Kunden kaufen etwas im Internet, der Spediteur liefert an eine Adresse, an der der Wagen steht. Der Kofferraum wird über das Internet vom Kunden geöffnet und der Lieferant kann die Ware dort ablegen und den Wagen wieder verschliessen.

Wenn Autos autonom fahren können, können sie sogar die Ware selbständig bei dem Lieferanten abholen. Ohne das der Kunde dabei sein muss. Das wird die gesamte Transportbranche verändern. Die Firma Amazon, bekannt als ein grosser Handelsriese, hat schon früh auf die Digitalisierung gesetzt. Amazon ist heute einer der grössten Unternehmen, dass Software, Hosting und digitale Leistungen anbieten kann, weltweit. Amazon hat massiv in das Startup RIVIAN investiert. RIVIAN baut Elektroautos und darunter auch Transporter. Amazon hat bei RIVIAN 100’000 elektrische Transporter bestellt, die Amazon für die Auslieferung seiner Handelswaren einsetzen möchte.

Transportlösungen ohne Fahrer

Ziel ist, dass die Fahrzeuge vollkommen autonom fahren, sich selber aufladen, die Ware aus dem Lager übernehmen und zum Kunden liefern. Alles ohne Fahrer. Wenn das realisiert ist, braucht Amazon an diesen Stellen keine anderen Transportunternehmen mehr und spart enorme Kosten ein. Weil die Transporter, dank Software autonom fahren, über das Internet vernetzt sind und vollkommen in die Logistik von Amazon integriert sind. Diese Fahrzeuge können praktisch 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr im Einsatz sein. Lediglich für das Stromladen müssen sie dann noch stehen. Aber an kürzeren Ladezeiten wird auch massiv gearbeitet. Damit die Autonomie erreicht wird, hat Amazon das Unternehmen ZOOX aufgekauft, dass sich voll auf autonome Mobilitätslösungen konzentriert. Amazon hat damit das Puzzle zusammen.

Auch auf den langen Strecken

Natürlich arbeiten alle aus diesen Branchen daran, dass Gleiche mit grossen Lastwagen zu realisieren. Um den Transport der Waren vom Flughafen oder den Schiffen zu den Lagerhäusern zu realisieren. Man könnte Lastwagen ohne Fahrer 365 Tage im Jahre rund um die Uhr einsetzen und die Kosten für Fahrer sparen. Bei Unternehmen, wie Amazon, sind die Transportkosten einer der wesentlichen Faktoren für mehr Gewinn. Amazon kann auf diese Weise den Gewinn enorm steigern.

Amazon wird zum Systemanbieter

Darüber hinaus versetzt sich Amazon so in die Lage, seine neuen Transportsysteme auch anderen anbieten zu können. Also die Software für autonomes Fahren, die Integration in die Logistiksysteme und elektrisch betriebene Transporter die vernetzt und in das System integriert sind. Amazon wird dadurch ein Systemanbieter für Logistik- und Transportlösungen. Ein sehr lukratives und dynamisch wachsendes Geschäftsfeld. Amazon ist dabei führend, da es früh erkannt hat, dass in der Digitalisierung die Zukunft liegt. Amazon und ähnliche Unternehmen haben sich dazu die Kapazitäten für Programmierung, Software, Patente und Rechenleistung frühzeitig gesichert. Die Autos selber sind dabei nur ein ganz kleiner Baustein, müssen aber vollkommen integriert sein. Herkömmliche Transporter sind dazu nicht zu verwenden. Klassische Hersteller von Transportern werde es schwer haben dort hineinzukommen, zu viel Know-how müsste Amazon ihnen dazu liefern. Neben Amazon sind auch weitere global Player, vornehmlich aus den USA, dabei führend. Google, Apple, Tesla, Uber, Lyft oder Microsoft arbeiten alle daran an diesem Markt teil zu haben. In Europa hat man auch diesen Zug verschlafen.

Amazon Rivian Electric Truck

Amazon Rivian Electric Truck

Die autonome Technologie wird auch den Personenverkehr revolutionieren

Die USA sind in der Bereitschaft autonom fahrende Fahrzeuge zu tolerieren sehr weit. Dadurch können Unternehmen wie Tesla, Uber, Lyft oder Cruise auf öffentlichen Strassen ihre Systeme testen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Bei den autonomen System wird KI (künstliche Intelligenz) eingesetzt, diese kann nur lernen, wenn sie im Alltag Erfahrungen sammelt. Tesla erfasst seit seinem Start von allen Autos die es verkauft Fahrdaten und wertet diese für autonomes Fahren aus. Durch die Menge der ausgelieferten Fahrzeuge und deren zurück gelegten Kilometern hat Tesla bei der Datensammlung die Nase ganz klar vorne. Uber, Lyft oder Cruise haben kleinere Flotten an Fahrzeugen, mit denen sie in Kalifornien autonom fahren dürfen. Auch sie sind bei der Datensammlung sehr weit. Natürlich sind diese Erfahrungen in Form von Software und Daten mehr als Gold wert. Alle bauen aufeinander auf. Je mehr ein System lernt, um so besser wird es. Natürlich können die führenden Unternehmen ihre Daten für ihre Produkte einsetzen oder sie an andere in Lizenz vermieten. Kaum jemand in Europa oder Asien ist so weit. Wer also in dem Geschäft in Zukunft mitmischen möchte, muss sich dort Hilfe holen. Ob er will oder nicht.

Das Ziel ist, autonom fahrende Fahrzeuge jedem individuell anbieten zu können. Per App ruft man ein Fahrzeug, dass vor das Haus vorfährt. Über die App gibt man das Ziel ein. Das Fahrzeug fährt die Passagiere selbständig dort hin. Kein Fahrer nötig, kein Führerschein nötig, ältere oder behinderte Menschen werden wieder mobil. Jugendliche kann man alleine auf eine Reise senden. Die Möglichkeiten und Freiheiten sind sehr komplex. Sammeltaxis können mehrere Menschen auf dem Weg zur Arbeit einsammeln, direkt von zu Hause. Wenn man bedenkt, dass heute fast nur eine Person in einem Auto sitzt, könnte man so sehr viel Platz auf den Strassen freisetzen. Werden die Fahrzeuge nicht gebraucht, fahren sie irgendwo vor die Stadt zum laden oder parken. Die sinnlose Platzverschwenung in Innenstädten wäre ein Ende gesetzt. Ride-Hailing nennt man diese Form von Mobilität. Auch hier sind global Player schon längst tätig und bauen ihre Macht aus. Didi Chuxing, aus China, ist so eines, aber auch Uber, Lyft und Cruise wollen eine Scheibe davon abbekommen. Auch auf diesem Feld ist in Europa nichts vorhanden. Irgendwann werden es die anderen dann übernehmen.

Amazon Wind Farm Texas Launch

Amazon today announced that its largest wind farm yet—Amazon Wind Farm Texas—is now up and running, adding more than 1,000,000 MWh of clean energy to the grid each year. Amazon has launched 18 wind and solar projects across the U.S., with over 35 more to come. Together, these projects will generate enough clean energy to power over 330,000 homes annually. These projects also support hundreds of jobs and provide tens of millions of dollars of investment in local communities across the country. Photographed Wednesday, Oct. 18, 2017, in Snyder, Texas.(JORDAN STEAD / Amazon)

Mobilität als Entertainment-Zeit

Durch Elektroautos mit hoher Digitalisierung und Vernetzung wird der Transport von A nach B eher zu einem Entertainment-Event als zu einem langweiligen dahin sitzen. In einem autonom fahrenden Fahrzeug können die Passagiere sehr vielen Beschäftigungen nachgehen. Arbeiten, geniessen, lernen, telefonieren, eine Video-Konferenz abhalten und vieles mehr. Im Aussendienst wird die Arbeitszeit besser genutzt. Es wird eine ganz andere Art der Zeitnutzung. Natürlich hängt das davon ab, wie diese Fahrzeuge ausgestattet sind. Mit Autos von heute, in dem alle in Fahrtrichtung sitzen, wird das sicher nichts mehr zu tun haben. Auch für den öffentlichen Nahverkehr wird dieses Thema spannend. Profis die sich mit disruptiven Entwicklungen beschäftigen, haben ausgerechnet, dass autonomer Transport bald billiger werden könnte als der öffentlichen Nahverkehr. Und natürlich attraktiver. Darauf muss sich die Politik und Gesellschaft einstellen. Spätestens wenn dann weniger ÖV fahren, also auch weniger Geld dort hinein fliesst, muss man reagieren. Schade wäre es, wenn die neue Freiheit durch Überregulierung ausgebremst wird. Irgendwann holt uns das ja dann doch ein. Transport ist ja auch ein Infrastrukturthema mit dem sich Wettbewerbsvorteile verbinden lassen.

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