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Ferrari Luce: Ferraris elektrischer Neubeginn ist Risiko, Machtprobe und strategische Chance zugleich

Die Premiere in Rom: Ferrari inszeniert den Luce als historischen Wendepunkt

Der Ferrari Luce wurde am 25. Mai 2026 der Öffentlichkeit vorgestellt – nicht in Maranello, nicht auf einer klassischen Automesse, sondern in Rom, in der architektonisch markanten Vela di Calatrava der Città dello Sport. Die Wahl des Ortes war bewusst symbolisch. Ferrari knüpfte damit an einen frühen Gründungsmythos der Marke an: Am selben Datum im Jahr 1947 erzielte Ferrari in Rom mit dem 125 S und Fahrer Franco Cortese beim Gran Premio di Roma an den Caracalla-Thermen den ersten Sieg der jungen Sportwagenmarke. Fast acht Jahrzehnte später kehrte Ferrari an diesen historischen Bezugspunkt zurück, um mit dem Luce ein Fahrzeug zu präsentieren, das nicht weniger beansprucht, als ein neues Kapitel der Marke aufzuschlagen.

Die Präsentation war entsprechend nicht als gewöhnliche Modellvorstellung angelegt, sondern als strategische Standortbestimmung. Ferrari-Präsident John Elkann stellte den Luce als Ausdruck jenes Anspruchs dar, mit dem Ferrari seit jeher technische Grenzen verschieben und die Zukunft des Hochleistungssportwagens mitgestalten wolle. Auch Ferrari-CEO Benedetto Vigna betonte bei der Vorstellung den Charakter des Modells als mutigen Schritt in eine neue technologische Ära. Der Luce sei nicht einfach ein Elektroauto mit Ferrari-Emblem, sondern Ergebnis einer umfassenden Entwicklungsleistung, in der Maranello elektrische Architektur, Fahrdynamik, Design, Klang, Bedienung und Luxusverständnis neu zusammengeführt habe.

Eine besondere Rolle spielte bei der Premiere auch die gestalterische Zusammenarbeit mit LoveFrom, dem Designkollektiv von Sir Jony Ive und Marc Newson. Ferrari übergab die konzeptionelle Formensprache des Luce bewusst einem Team außerhalb des eigenen Designstudios, um einen unverbrauchten Blick auf die erste vollelektrische Modellarchitektur der Marke zu ermöglichen. Gerade diese Entscheidung erklärt, warum der Luce nicht als elektrische Variante eines bestehenden Ferrari erscheint, sondern als eigenständiges Objekt mit neuer Proportion, neuer Innenraumlogik und einer bewusst reduzierten, fast skulpturalen Designsprache.

Schon die Inszenierung der Premiere machte damit deutlich: Ferrari wollte den Luce nicht als defensive Antwort auf regulatorischen Druck oder als späte Reaktion auf den Elektrotrend präsentieren. Das Fahrzeug wurde als selbstbewusste Erweiterung des Ferrari-Kosmos vorgestellt – als technologische, gestalterische und strategische Öffnung in ein neues Segment. Genau darin liegt der Kern dieses Modells: Der Luce soll nicht beweisen, dass ein Elektroauto wie ein klassischer Ferrari sein kann. Er soll zeigen, dass Ferrari auch unter völlig neuen technischen Voraussetzungen eine eigene, unverwechselbare Form von Begehrlichkeit schaffen will.

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Ein Ferrari, der nicht so tun darf, als wäre er ein Verbrenner

Mit dem Ferrari Luce betritt Maranello nicht einfach ein neues technisches Kapitel. Ferrari öffnet eine Tür in ein Marktsegment, das bisher zwar von Geschwindigkeit, Luxus und Technologie geprägt war, aber nicht von jener kulturellen Aufladung, die ein Ferrari seit Jahrzehnten besitzt. Genau darin liegt die Spannung dieses Autos: Der Luce ist nicht nur Ferraris erstes vollelektrisches Modell, sondern zugleich ein bewusst anders gedachter Ferrari. Er ist viertürig, fünfsitzig, elektrisch, großzügig, technisch hochintegriert und gestalterisch weit entfernt von der vertrauten Dramaturgie klassischer Frontmotor- oder Mittelmotor-Sportwagen.

Diese Abweichung ist kein Unfall. Sie ist der eigentliche Punkt. Wer von Ferraris erstem Elektroauto erwartet hatte, dass es lediglich ein lautloser 296 GTB, ein batteriebetriebener Roma oder ein elektrifizierter 812 wird, musste zwangsläufig enttäuscht werden. Ein solcher Ansatz hätte die Schwächen des Elektroantriebs gegenüber dem emotional aufgeladenen Verbrenner nur sichtbar gemacht. Der Luce wählt deshalb einen anderen Weg: Er nutzt die elektrische Architektur nicht, um die Vergangenheit zu imitieren, sondern um eine neue Art von Ferrari zu ermöglichen.

Ferrari selbst stellt den Luce ausdrücklich nicht als Ersatz für bestehende Verbrenner-Modelle dar, sondern als Erweiterung der Modellpalette im Rahmen einer „Multi-Energy“-Strategie. Das Unternehmen spricht von technologischer Neutralität und davon, Elektroantrieb, Hybridtechnik und Verbrennungsmotor nebeneinander zu führen. Bis 2030 sieht Ferraris strategische Planung eine Modellpalette vor, die zu 40 Prozent aus Verbrennern, zu 40 Prozent aus Hybriden und zu 20 Prozent aus vollelektrischen Fahrzeugen besteht. (Ferrari)

Damit wird klar: Der Ferrari Luce ist kein Abgesang auf den Zwölfzylinder, kein Verrat am V8 und keine Kapitulation vor dem Zeitgeist. Er ist vielmehr der Versuch, eine zusätzliche Kundschaft zu erreichen, ohne den Kern der Marke aufzugeben.

Die öffentliche Kritik: laut, emotional und erwartbar

Die Reaktionen auf den Ferrari Luce fielen heftig aus. Reuters berichtete unmittelbar nach der Vorstellung von einer kontroversen Aufnahme, spöttischen Vergleichen in sozialen Medien und einem deutlichen Kursrückgang der Ferrari-Aktie. Auch prominente Stimmen wie der frühere Ferrari-Chef Luca di Montezemolo und Italiens stellvertretender Ministerpräsident Matteo Salvini äußerten Zweifel daran, ob ein solches Auto zur Marke passe. (Reuters)

Auch der Guardian griff die Debatte auf und beschrieb den Luce als radikalen Bruch mit Ferraris traditioneller Sportwagen-Ikonografie. Kritisiert wurden vor allem die viertürige Architektur, die fünf Sitzplätze, das minimalistische Design und die Tatsache, dass Ferrari sein erstes Elektroauto nicht als klassisches Coupé präsentiert hat. (Der Guardian)

Diese Kritik ist nicht überraschend. Ferrari ist keine gewöhnliche Automarke, sondern ein kulturelles Symbol. Der Klang eines V12, die Silhouette eines 250 GT, die Radikalität eines F40 oder die Sinnlichkeit eines 458 Italia sind nicht bloß technische Erinnerungen, sondern Teil eines kollektiven Mythos. Jede deutliche Abweichung von dieser Erzählung erzeugt Reibung.

Doch gerade Luxusmarken, die langfristig relevant bleiben wollen, müssen gelegentlich riskieren, ihre treuesten Bewahrer zu irritieren. Porsche erlebte diese Erfahrung mit dem Cayenne, Lamborghini mit dem Urus, Bentley mit dem Bentayga. Heute wirken diese Modelle aus wirtschaftlicher Sicht nicht wie historische Irrtümer, sondern wie strategische Wendepunkte. Der Unterschied beim Ferrari Luce liegt darin, dass er nicht nur die Karosserieform erweitert, sondern zugleich den Antrieb, das Bedienkonzept, den Klang und das Raumverständnis neu definiert.

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Warum der Luce anders aussehen muss

Der wichtigste Gedanke ist vielleicht der einfachste: Ein elektrischer Ferrari muss sich von Ferraris Verbrenner-Modellen unterscheiden. Nicht aus modischer Laune, sondern aus markenstrategischer Notwendigkeit.

Würde Ferrari den Elektroantrieb in eine Form pressen, die unmittelbar an die großen Verbrenner-Ikonen erinnert, entstünde ein permanenter Vergleich mit dem, was elektrisch nicht reproduzierbar ist: mechanische Explosion, Ansauggeräusch, Schaltvorgang, thermische Dramatik, Vibration, akustische Eskalation. Ferrari kann diese Welt nicht einfach elektrisch kopieren, ohne sich selbst zu verkleinern.

Der Luce geht deshalb den umgekehrten Weg. Er definiert sein eigenes Terrain. Vier Türen und fünf Sitze sind dabei nicht nur ein Zugeständnis an Alltagstauglichkeit, sondern Ausdruck einer neuen Architektur. Ohne klassischen Mitteltunnel, ohne Frontmotor-Transaxle-Konzept und mit tief integrierter Batterie entstehen Raumverhältnisse, die in einem konventionellen Ferrari so nicht möglich wären. Ferrari beschreibt den Luce als zweites viertüriges Modell der Marke und als ersten Ferrari mit fünf Sitzen. Die elektrische Plattform erlaubt eine eigenständige Package-Lösung, die Performance, Komfort und Innenraum miteinander verbindet.

Das ist kein Ferrari für jene Kunden, die bereits eine 296, einen Daytona SP3 oder einen 812 Competizione in der Garage haben und exakt dasselbe Erlebnis nur mit Batterie erwarten. Der Luce richtet sich an eine zusätzliche Kundengruppe: Unternehmer, Technologie-Enthusiasten, neue Luxusklienten in Metropolen, möglicherweise auch Kunden in China, Kalifornien, Singapur, Dubai oder London, für die elektrische Souveränität, digitale Gestaltung, leise Kraftentfaltung und Raumkomfort zum modernen Luxusverständnis gehören. Business Insider ordnete den Luce entsprechend als Wette auf einen großen, noch nicht erschlossenen Markt ein, insbesondere mit Blick auf Kunden, die bereits in der Welt hochwertiger Elektrofahrzeuge sozialisiert sind. (Business Insider)

Technik: Vier Motoren, 800 Volt und eine neue Fahrdynamik

Technisch ist der Ferrari Luce weit mehr als ein Luxus-EV mit starkem Markenlogo. Das Fahrzeug basiert auf einer eigenen elektrischen Plattform mit vier Elektromotoren, einem Motor pro Rad, 800-Volt-Architektur und einer in Maranello entwickelten Batterie. Die offiziellen technischen Angaben nennen 772 kW beziehungsweise 1.050 cv Maximalleistung, 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 6,8 Sekunden von 0 auf 200 km/h, eine Höchstgeschwindigkeit von über 310 km/h sowie eine geschätzte Reichweite von mehr als 530 Kilometern.

Kennwert

Ferrari Luce

Antrieb

Vier Elektromotoren, einer pro Rad

Systemleistung

772 kW / 1.050 cv

Batterie

122 kWh brutto

Architektur

800 Volt

0–100 km/h

2,5 Sekunden

0–200 km/h

6,8 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit

über 310 km/h

Reichweite

über 530 km, Schätzung vor Homologation

Leergewicht

2.260 kg

Sitzplätze

fünf

Türen

vier

Maximale Ladeleistung

350 kW

Entscheidend ist jedoch nicht allein die Leistung. In der Welt hochmotorisierter Elektroautos sind extreme Beschleunigungswerte längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Tesla, Rimac, Lucid, Porsche und chinesische Premiumanbieter haben gezeigt, dass elektrische Leistung skalierbar ist. Die eigentliche Ferrari-Frage lautet daher: Wie wird aus elektrischer Kraft ein fahrerisches Erlebnis?

Ferraris Antwort liegt in der Regelung. Vier einzeln kontrollierte Motoren ermöglichen Torque Vectoring in einer Präzision, die mit mechanischen Differenzialen kaum erreichbar ist. Hinzu kommen aktive Fahrwerksysteme, Hinterradlenkung, Side Slip Control X, ein neues Vehicle Control Unit-System und ein torque-basiertes Bedienkonzept über Paddles. Der rechte Paddle erhöht die verfügbare Antriebskraft stufenweise, der linke Paddle steuert die Rekuperation und damit die Verzögerung. Ferrari simuliert damit nicht einfach Gangwechsel, sondern schafft eine eigene Sprache elektrischer Fahrdynamik.

Das ist ein wichtiger Unterschied. Schlechte Elektro-Sportwagen versuchen, Verbrennergesten nachzuahmen. Gute Elektro-Sportwagen entwickeln eigene Rituale. Der Luce versucht Letzteres.

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Klang ohne Künstlichkeit: Ferraris schwierigste Disziplin

Keine Frage ist beim elektrischen Ferrari emotionaler als die nach dem Klang. Ferrari ohne Motorgeräusch erscheint vielen Enthusiasten wie Oper ohne Stimme. Maranello hat deshalb einen Ansatz gewählt, der bewusst nicht auf synthetische Soundkulissen setzt. Der Klang des Luce wird aus realen Vibrationen der elektrischen Antriebseinheiten gewonnen, über Sensoren aufgenommen, gefiltert und verstärkt. Ferrari vergleicht das Prinzip mit einer elektrischen Gitarre: Der Ton wird nicht frei erfunden, sondern aus einer realen mechanischen Quelle herausgearbeitet.

Ob das emotional überzeugt, wird erst die Praxis zeigen. Doch die Richtung ist richtig. Ein Ferrari darf nicht klingen wie ein Computerspiel und nicht wie ein künstlich dramatisierter Haushaltsapparat. Wenn der Luce eine glaubwürdige akustische Identität entwickeln soll, muss sie physikalisch begründet sein. Nicht Imitation ist hier die Aufgabe, sondern Authentizität unter neuen technischen Bedingungen.

Gerade darin könnte der Luce eine neue Form von Luxus markieren. Nicht maximale Lautstärke, sondern wählbare Intensität. Nicht permanente Inszenierung, sondern situative Präsenz. Im Range-Modus leise und komfortabel, im Performance-Modus expressiver und unmittelbarer. Für klassische Ferraristi mag das zunächst fremd wirken. Für neue Kunden kann genau diese Bandbreite den Reiz ausmachen.

Design: Jony Ive, LoveFrom und der Bruch mit der Gewohnheit

Dass Ferrari für das Design des Luce mit LoveFrom zusammenarbeitete, dem Designkollektiv von Sir Jony Ive und Marc Newson, war ein bewusstes Signal. Ferrari Design unter Flavio Manzoni blieb beteiligt, doch der Ausgangsimpuls kam von außen. Das Ziel war nicht, einen weiteren formal vertrauten Ferrari zu zeichnen, sondern eine neue visuelle Sprache zu entwickeln. Ferrari beschreibt das Design als reduziert, klar, geschlossen und von einer gläsernen, schalenartigen Fahrgastzelle geprägt.

Genau hier entzündet sich die Debatte. Viele Kritiker empfinden die Form als zu glatt, zu ungewohnt, zu weit entfernt von klassischer Ferrari-Sinnlichkeit. Andere sehen darin einen notwendigen Schritt, weil die elektrische Architektur eine neue gestalterische Logik verlangt. Wired nannte den Luce sinngemäß faszinierend und zugleich schmerzhaft, weil er wie ein Blick in eine alternative Zukunft des Automobils wirke – ein Auto, das in seiner Radikalität mehr Silicon Valley als traditionelle Sportwagenromantik ausstrahle. (WIRED)

Die Wahrheit liegt vermutlich zwischen beiden Polen. Der Luce ist nicht sofort schön im klassischen Ferrari-Sinn. Er sucht keine einfache Zustimmung. Er ist eher ein Statement-Objekt als ein gefälliger Gran Turismo. Das kann problematisch sein, wenn die Kundschaft emotionale Vertrautheit erwartet. Es kann aber auch strategisch klug sein, wenn Ferrari mit diesem Modell gerade jene Käufer erreichen will, die nicht noch eine Variation bekannter Sportwagenformen suchen.

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Luxus im Elektrozeitalter: Raum, Ruhe und Kontrolle

Ferrari hat jahrzehntelang bewiesen, dass Luxus nicht zwingend mit Raum zu tun haben muss. Ein Ferrari konnte eng, laut, kompromisslos und dennoch begehrenswert sein. Der Luce erweitert diesen Begriff. Er verbindet Leistung mit Komfort, Geräuschdämmung, hochwertiger Bedienung, großem Innenraum, 21 Lautsprechern, 3.000 Watt Verstärkerleistung, physischen Schaltern, OLED-Displays und einem eigenständigen digitalen Ökosystem.

Das ist nicht belanglos. Die obere Luxusklasse verändert sich. Für viele Kunden ist Exklusivität heute nicht nur die Fähigkeit, schnell zu fahren, sondern auch die Fähigkeit, sich aus Lärm, Reibung und Komplexität herauszunehmen. Elektrische Ruhe kann in diesem Kontext ein Luxusmerkmal sein. Ebenso wichtig bleibt aber Kontrolle. Ferrari versucht daher, digitale Oberflächen nicht völlig zu entmaterialisieren. Mechanische Tasten, Drehregler, Paddles und taktile Elemente sollen verhindern, dass der Luce zu einem rollenden Tablet wird.

Gerade das ist für Ferrari entscheidend. Eine Marke, deren Mythos aus der Verbindung von Mensch und Maschine lebt, darf die Bedienung nicht vollständig in Touchscreens auflösen. Der Luce wirkt hier wie ein bewusster Gegenentwurf zu jener digitalen Beliebigkeit, die viele moderne Fahrzeuge prägt.

Marktstrategie: Erweiterung statt Selbstverleugnung

Der Ferrari Luce ist markenstrategisch weniger gefährlich, wenn man ihn nicht als Ersatz, sondern als neues Segment versteht. Genau so sollte man ihn lesen. Ferrari erschließt sich mit diesem Fahrzeug eine zusätzliche Kundschaft. Das bedeutet nicht, dass Maranello seine Verbrenner vernachlässigt oder sie ersetzen will. Im Gegenteil: Die parallele Pflege von Verbrenner, Hybrid und Elektroantrieb kann Ferrari erlauben, unterschiedliche emotionale und geografische Märkte gezielt zu bedienen.

Road & Track zitierte die Grundlogik hinter der Karosserieentscheidung: Ferrari habe nicht einfach einen Familienwagen bauen wollen, sondern die Vorteile der elektrischen Architektur in Raum, Komfort, Fahrbarkeit und Performance ausnutzen wollen. (Road & Track)

Das ist plausibel. Ein kleiner elektrischer Zweisitzer hätte zwar näher an der Ferrari-Folklore gelegen, hätte aber zugleich gegen jene Verbrenner-Modelle antreten müssen, die emotional kaum zu schlagen sind. Der Luce nimmt sich aus diesem direkten Vergleich heraus. Er konkurriert nicht primär mit dem 12Cilindri, nicht mit dem 296 und nicht mit einem künftigen V8-Hybrid. Er besetzt ein eigenes Feld: elektrischer Ferrari-Luxus mit hoher Alltagstauglichkeit, technologischer Exzellenz und markentypischer Exklusivität.

Die Risiken bleiben real

Trotz aller positiven Einordnung bleiben die Risiken erheblich. Erstens: Ferrari darf seine Marke nicht zu breit ausdehnen. Exklusivität entsteht auch durch Begrenzung. Wenn der Luce zu stark als Lifestyle-EV statt als Ferrari wahrgenommen wird, kann er an Aura verlieren.

Zweitens: Das Design muss sich in der Realität bewähren. Auf Fotos und in sozialen Medien werden radikale Formen oft härter beurteilt als in Bewegung, im Straßenraum und im Besitzkontext. Dennoch ist die erste öffentliche Reaktion ein Warnsignal. Ferrari muss erklären können, warum der Luce so aussieht, wie er aussieht.

Drittens: Der Preis setzt enorme Erwartungen. Der Guardian und Business Insider nannten Größenordnungen von etwa 550.000 Euro beziehungsweise rund 640.000 US-Dollar. (Der Guardian) In diesem Bereich genügt es nicht, technisch beeindruckend zu sein. Das Auto muss Begehrlichkeit erzeugen, Sammlerwert versprechen und als kulturelles Objekt funktionieren.

Viertens: Der Elektro-Luxusmarkt ist schwieriger geworden. In China dominieren starke lokale Hersteller, in Europa wächst Skepsis gegenüber überteuerten EVs, und in den USA ist der Markt politisch und kulturell polarisiert. Ferrari besitzt zwar eine außergewöhnliche Preissetzungsmacht, aber auch Ferrari kann sich der Frage nicht entziehen, ob ein Elektroauto langfristig dieselbe emotionale Wertstabilität besitzt wie ein begehrter Verbrenner.

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Warum der Luce dennoch richtig sein kann

Gerade weil der Ferrari Luce polarisiert, könnte er langfristig wichtiger werden als ein braveres Auto. Ferrari wäre schlecht beraten gewesen, sein erstes Elektroauto als vorsichtige Kopie bestehender Modelle zu bringen. Wer neue Technologie nur mit alter Formensprache verkleidet, gesteht indirekt ein, dass die neue Technologie keine eigene Poesie besitzt.

Der Luce behauptet das Gegenteil. Er sagt: Ein elektrischer Ferrari muss nicht klingen, aussehen und funktionieren wie ein Verbrenner-Ferrari. Er muss aber in seiner Disziplin genauso ernsthaft, präzise und begehrenswert sein. Sein Maßstab ist nicht Nostalgie, sondern Konsequenz.

Ob diese Konsequenz kommerziell aufgeht, wird sich an Bestellungen, Kundenzufriedenheit, Restwerten und kultureller Akzeptanz zeigen. Doch aus markenstrategischer Sicht ist der Ansatz nachvollziehbar. Ferrari erweitert sein Territorium, ohne den alten Kern aufzugeben. Der Luce ist nicht das Ende des klassischen Ferrari, sondern ein zusätzlicher Pol im Ferrari-Universum.

Fazit: Der Ferrari Luce ist kein Verrat, sondern eine Prüfung

Der Ferrari Luce ist eine Zumutung – im besten Sinne des Wortes. Er mutet Ferraristi zu, die Marke nicht nur über Klang, Zylinderzahl und Silhouette zu definieren. Er mutet Investoren zu, kurzfristige Irritation von langfristiger strategischer Erweiterung zu unterscheiden. Und er mutet Ferrari selbst zu, den eigenen Mythos nicht zu verwalten, sondern weiterzuentwickeln.

Nicht jeder Ferrari muss jedem Ferrari-Kunden gefallen. Das war nie so. Entscheidend ist, ob der Luce glaubwürdig genug ist, um neue Kunden für Maranello zu gewinnen, ohne die alten Kunden zu entfremden. Seine technische Substanz ist beeindruckend. Seine konzeptionelle Eigenständigkeit ist mutig. Seine öffentliche Wirkung ist riskant. Genau daraus entsteht seine Bedeutung.

Der Ferrari Luce wird nicht daran gemessen werden, ob er ein besserer Verbrenner ist. Das kann er nicht sein und das sollte er auch nicht sein. Er wird daran gemessen werden, ob er ein echter Ferrari auf elektrische Weise ist. Wenn Maranello diese Balance trifft, könnte der Luce rückblickend nicht als Irrtum erscheinen, sondern als jener Moment, in dem Ferrari verstanden hat, dass Tradition nicht darin besteht, immer dasselbe zu tun, sondern unter veränderten Bedingungen wieder unverwechselbar zu werden.

 

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Dieser Text auf carmart.ch wurde von der Gordian Hense, Oftringen, Schweiz, erstellt und zur Verfügung gestellt. Das Copyright für diesen Text liegt bei Gordian Hense, Oftringen, Schweiz. Gordian Hense bietet Dienstleistungen in den Bereichen Business Consulting, Mental Coaching, Wealth Preservation und mehr an. Bei Interesse an diesem Text oder der Erstellung hochwertiger Inhalte wenden Sie sich bitte an Gordian Hense in Oftringen (siehe auch Impressum).

Ein Kommentar

  • Karl Josef Maurer

    28. Mai 2026

    Ein Traumauto. Da ist Ferrari und dem Designteam um Sir Jony Ive und Marc Newson etwas ganz Grosses gelungen. Ein Meisterwerk. Es ist kein Tesla, kein Rimac und auch kein SU7. Es ist ein echter Ferrari Elektro-Supersportwagen mit Klasse, Stil, mit fünf Sitzen und Emotion. Das Aussendesign erinnert mich von vorne etwas an den Ferrari Dino. Der Wagen strahlt eine Eleganz und Kraft aus, die man so nicht unter hochwertigen Supersport Elektroautos findet. Auch den Innenraum finde ich fantastisch. Aufgeräumt, edel und einfach schön.

    Es ist klar, dass das den Slumdog Millionaires oder die es werden wollen, nicht gefällt. Sie verstehen es nicht.

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