Fahrbericht – Ford Fiesta ST-2 Black & White mit Mountune Tuning

Der Mini – Killer oder wie man einen alltagstauglichen Rennwagen fährt

Seit kurzer Zeit wird der Ford Fiesta ST-2 in einer Sonderausführung als „Black & White“ mit Tuning von Mountune angeboten. Das Sondermodel wird derzeit nur in der Schweiz und Grossbritannien vertrieben bzw. kann man in diesen Ländern das Fahrzeug auch nachrüsten lassen. Wir haben ihn mit mehr Leistung Probe gefahren.

Schon der normale Ford Fiesta ST ist eine Rakete und fährt sich wie ein Go-Kart mit Komfort. Aber dieser, durch Mountune getunte ST, mit 215 statt 182 PS (+ 33 PS) geht ab wie Schmitz Katze. Man muss auf den Strassen der Schweiz schwer aufpassen, dass man nicht schnell über die Limite kommt. Auf der Deutschen Autobahn wird man schnell zum „Grossauto“ – Jäger. Besonders die Beschleunigung ab 130 km/h macht richtig Freude. Lässig neben einem A8 fahren und kurz mal Gas geben, dann bei 200 in den sechsten Gang schalten und winke, winke machen. Da guckt so mancher ziemlich blöd aus der Wäsche. Bis der A8 seine Tonnen in Bewegung gebracht hat, ist man mit dem ST schon die nächste Ausfahrt runter. Und der Sound dabei ist einfach geil.

Der „Kleinwagen“ mit Tuning schafft es in 6.7 (6.9) Sekunden auf 100 km/h und ihm steht ein Drehmoment von 320 statt 240 Nm zur Verfügung. Die Leistung ist sauber aus den niedrigen Drehzahlen bis nach oben abrufbar. Und der Sound macht sein Übriges. Besonders auf der Autobahn möchte man gar nicht mehr aufhören Gas zu geben, der Sound wird immer aggressiver und schöner, je höher die Drehzahl anliegt. Man hat das Gefühl man kann immer noch mehr Leistung abrufen.

Das Fahrwerk ist top ausgelegt. Auf der einen Seite fühlt es sich im Alltag sehr ausgewogen und sogar bequem an. Man hüpft nicht so, wie bei anderen sportlichen Kleinwagen mit Knubbeln als Tachometer, von einem zum anderen kleinen Loch. Bei schneller und sportlicher Fahrweise in engen Kurven aber merkt man die Qualitäten. Schön straff und präzise. Man hat nie das Gefühl an die Grenzen zu stossen und hat das Fahrzeug genau und sauber im Griff. Das Fahrwerk verzeit auch viele kleine Fehler und macht das was es machen soll.

Ich konnte ein kleines Manko des Fahrwerks erst über 200 km/h auf der Autobahn feststellen. Bei manchen Bodenwellen hat man dann ein bisschen das Gefühl die Hinterräder versetzen seitlich leicht. Aber sie beruhigen sich auch sofort wieder. Ich hatte nie ein unsicheres Gefühl.

Die Bremsanlage ist für die Leistung und das Gewicht gut ausgerüstet. Vorne und hinten Scheibenbremsen, vorne innenbelüftet, sorgen für kräftige Verzögerung.

Die Schaltung funktioniert präzise und leicht. Die 6 Gänge sind genau richtig abgestimmt und passen mit der Elastizität des Motors sehr gut zusammen. In vielen Gängen kann man mit der Drehzahl des Motors arbeiten.

Fährt man im Alltag gemässigt und lässig durch den Verkehr, hat man nicht das Gefühl in einem Kleinwagen zu sitzen. Manchmal glaubte ich eher in einem Focus zu sitzen als in einem Fiesta. Erst beim Aussteigen wurde ich wieder daran erinnert, dass es ja ein Fiesta ist – weil ich ihn von aussen sah.

Der Wagen ist absolut alltagstauglich. Der Innenraum ist für die Wagengrösse angenehm gross und im Kofferraum findet man genug Platz für die nötigsten Dinge. Mit vier Mann auf grosse Reise gehen würde ich aber nicht gerade. Die Passagiere im Fond müssen schon ein bisschen sportlich sein um in den Wagen und wieder raus zu kommen. Sitzt man erst einmal, ist das Gefühl angenehm.

Die RECARO-Sportsitze vorne, seit ST-1 Serie, bieten in allen Lebenslagen sehr guten Halt und Komfort. Die Sitzheizung war ein willkommenes Angebot in der kalten Jahreszeit. Klimaanlage, Soundsystem und Bordcomputer unterscheiden sich nicht von der Serie. Zum Komfort wie in einem Focus mit gehobener Ausstattung fehlen ein paar Features, auf die man aber in solche einem Sportwagen gelassen verzichten kann. Zum Beispiel die Lichtautomatik.

Der Verbrauch des Wagens ist stark abhängig von der Fahrweise. Das Gas geben auf der Autobahn, ausserhalb der Schweiz, verlangt seinen Tribut. Da kann die Anzeige des Bordcomputers, im momentanen Verbrauch, schon mal die 20 Liter / 100 km überschreiten. So bald man aber wieder in gemässigten Geschwindigkeitsbereichen fährt und brav die Gänge nach oben schaltet, pendelt sich der Verbrauch zwischen 6 und 8 Liter Normalbenzin ein. Der Bordcomputer zeigt einem immer an, wenn man nach oben schalten kann.

Wenn es ein paar Dinge zu bemängeln gibt, dann ist das die Sicht nach hinten. Der Bordcomputer ist zwar mit einer Rückfahrkamera ausgestattet, die sich bei eingelegtem Rückwärtsgang einschaltet, aber die Abdeckung an der Kamera wird schnell durch aufwirbelndes Wasser verschmutzt. Dann nützt die Kamera nichts mehr. Man sieht nur noch den Dreck auf dem Glas. Durch das abgedunkelte Heckfenster und die kleinen, hinteren Seitenscheiben sieht man auch nicht gerade viel. Da werden die beiden Aussenspiegel schon wichtiger, als bei anderen Fahrzeugen. Vielleicht sei noch erwähnt, dass der Heckspoiler in der Waschanlage die automatische Reinigung der Heckscheibe unmöglich macht, da muss man dann mit der Hand ran. Aber diese Dinge nimmt man gerne in Kauf, für den Fahrspass den man mit dem Wagen hat.

Der Ford Fiesta ST-2 Black&White Edition kostet 29’900 CHF und steht ab sofort bei den Händlern. Das Mountune Upgrade Kit für den Fiesta ST ist für 1’199 CHF erhältlich und kann bei Ford-Händlern bestellt und eingebaut werden. Der Einbau dauert ca. 90 Minuten. Die Ford Werksgarantie, sowie die Ford Protect Zusatzgarantie bleibt für das Fahrzeug vollumfänglich bestehen und wird durch den Umbau nicht eingeschränkt.

Alles in allem ist der Ford Fiesta ST-2 mit Mountune Tuning eine gute und gelungene Mischung für den Alltag in dem man aber auch richtig Spass haben kann. Es macht einfach echte Freude mit ihm die Bergstrecken in schmalen Kurven hoch zu heizen oder mal auf der Autobahn richtig Gas zu geben. Der Sound ist das Tüpfelchen auf dem „i“. Einen Mini würde ich dafür stehen lassen.

Quelle: Carmart.ch

About the Author

Gordian Hense
Gordian Hense, Dipl. Wirtschaftsingenieur (FH) war lange Jahre in der Deutschen Automobilindustrie tätig und beschäftigt sich seit dem mit diesem Thema. Neben Fahrzeugen aller Art begeistern ihn auch die Themen Software, Internet, Online-Marketing, Politik, Wirtschaft und Gesundheit.

5 Comments on "Fahrbericht – Ford Fiesta ST-2 Black & White mit Mountune Tuning"

  1. Der Leistung gewinn beträgt keine 33PS. Er liegt bei ca 15PS. Hier wurde einmal der Wert im Overboost (Mountune) zu dem Standartwert verglichen. Die Serienleistung im Overboost liegt aber bei knapp 200PS.

  2. @Jannis – Vielen Dank für den Hinweis. Die im Artikel genannten Daten wurden so von Ford und Mountune angegeben.

  3. Ich fahre so einen fiesta st black & white, mit 215 PS. Und ich muss sagen, bin sehr zufrieden!!! Macht echt Spass!

  4. Andreas | 29. Juli 2016 at 6:37 |

    Würdest Du dafür auch einen Mini (R56) John Cooper Works mit 211 PS stehen lassen?

  5. Ehrlich gesagt ja. Die Innenausstattung des Mini gefällt mir nicht – die ist für Frauen gemacht. Ich hatte früher einen original Mini Cooper, da war noch alles funktional. Kürzlich habe ich auch einen neuen Mini probe gefahren und muss sagen, ich war sehr enttäuscht. Es war zwar das kleinste Modell, aber er zog auch keinen Hering von der Roste. Um richtig vorwärts zu kommen musste man schalten, schalten und schalten und die Gänge nur so rein prügeln. Mühsam. Die Strassenlage ist zwar gut – aber „Leichtfüssigkeit“ ist was anderes. Das mag mit 211 PS vielleicht besser sein, aber der kostet ja auch doppelt so viel.

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