Schläft die europäische Automobilindustrie?
Gordian Hense | Jan 18 2008 | Tags: Audi, BMW, Fiat, Mercedes, Motors, Smart, Tata, VW
Am 06. Januar 2008 berichteten wir über Tata Motors, einer Tochtergesellschaft der Tata Group (28.8 Milliarden Dollar Umsatz in 06/07) in Indien. Ratan Tata, der Gründer des Imperiums, hatte den neuen Tata Nano auf einer Messe in Indien vorgestellt. Neben dem normalen PKW-Programm des Unternehmens, immerhin werden bereits ca. 50.000 Autos pro Monat gefertigt, soll der “Nano” den Markt nach unten schliessen. Alle die jetzt noch, zu zweit oder dritt, mit dem Motorrad oder Moped in Indien herumfahren, sollen sich ein Auto leisten können. So wie es in Europa in den 50er und 60ger Jahren mit dem VW Käfer oder dem Fiat 500 war. Die Unterschiede sind aber gewaltig. Dazu später aber mehr.
In einem Vorabbericht war in Indien von einem lokalen, angepeiltem Preis von 650 Dollar für die Basisversion für den “Nano” die Rede. Auf wundersame Weise wurde aus diesem Preis auf dem Weg der Presse und Journalisten nach Europa, erst in den Deutschen Nachrichten 1.100 Euro, 1.700 Euro, dann 1.800 Euro und nun habe ich bereits eine Meldung in der Schweiz gelesen, in der von 3.000 Franken gesprochen wird. Der aktuelle Kurs des Dollar liegt bei 1.15 CHF = 1 Dollar, somit wären 650 Dollar = 746 Schweizer Franken. In Euro gerechnet wäre es gerade 470 Euro. Hat da nun die heimische Automobilindustrie, die Lobbyisten oder die Journalisten dazu gemogelt? Will man sich selber schönrechnen? Will man das Gerücht, Qualität hat seinen Preis, weiter aufrecht erhalten? Ist das Zittern und Angst, die man da heraus hört?
Ein Sturm an Argumenten brauste, in Europa!, los. Klimakiller, Sicherheitsrisiko, Benzinschleuder, Umweltschädling, Billigkarre und was weiss ich nicht, konnte man in den letzten Wochen auf allen Kanälen hören. Das Auto würde hierzulande nicht einmal die einfachsten Sicherheitstests bestehen. Auf einmal wird vielen Umweltschützern klar, dass es neben uns paar Millionen, in Europa, – Milliarden Menschen in dem Rest der Erde gibt, die auch zumindest ein bisschen den gleichen Wohlstand und die Mobilität haben wollen, wie wir. Mit tiefster Überzeugung und Inbrunst wird jetzt dringend alles mögliche gesucht um diesem “Rest” der Welt klar zu machen, dass sie nicht die selben Fehler machen dürfen wie wir!
Über so viel Naivität muss man schon schmunzeln, oder?
Die Bekanntmachung der Tata Motors hat hier in Europa wohl einige aufgeschreckt. Das sollte es auch, obwohl diese Entwicklung ja bereits seit Jahren bekannt ist.
Die Chancen für ein günstiges Klein-Auto in den asiatischen Ländern wie Indien und China sind geradezu ideal. Bei dem VW-Käfer in Europa musste die gesamte Infrastruktur drumherum mit aufgebaut werden. Heute gibt es das in der ganzen Welt. Es war ein neues Produkt, in einem neuen Markt, mit neuen Kunden. Die Technik musste entwickelt werden, es gab kaum Zulieferer, die Know-How hatten. Viele Einzelteile musste selber, teuer hergestellt werden. Trotzdem nahm der VW Käfer eine rasante Fahrt auf. Die Rahmenbedingungen waren im Vergleich zu dem heutigen Indien und China, weit schlechter. In Indien und China wissen die Menschen, dass sie sich heute ein Auto leisten können, wenn sie viel arbeiten. Das wurde durch die Vorstellung des Tata Nano noch bestärkt. Im damaligen Deutschland, war das nicht so sicher. Viele Menschen habe höchstens in zehn oder fünfzehn Jahren damit gerechnet, sich ein Auto leisten zu können.
In Indien und bei der Firma Tata Motors werden die Stückkosten, einfach schon aufgrund der grossen Mengen, so rapide nach unten gehen, dass die Preisentwicklung klar vorgegeben ist. In Europa gab es damals ein paar Hunderttausend Menschen die sich den Käfer hätten kaufen können. In Indien sind es heute Millionen. Selbst neben einem Unternehmen wie Tata Motors, können noch zwei, drei weitere Unternehmen im aisatischen Raum bestehen, die auch solche Autos herstellen.
Heute kann man die Zulieferteile, das Know-How und alles andere weltweit einkaufen. Es war nur eine Frage der Zeit wann jemand die Aktivitäten in die Hand nimmt und ein solches Auto produziert. Die Potenzial sind enorm, wenn Indien und China mit ca. 2,5 bis 3 Millarden Menschen bedient werden, kann man auch leicht die 800 Millionen in Afrika, die 800 Millionen in Süd-Amerika und die 200 Millionen Menschen im ehemaligen sowjetischen Raum bedienen. Denn alle diese Menschen haben eines gemeinsam, sie können sich die teuren Autos aus Europa, den USA und Japan nicht leisten. Diese Unmenge an Käufern werden den Firmen, wie Tata Motors, solche enormen Geldmengen in ihre Häuser spülen, dass sie mit Leichtigkeit Mittelklasse – und später Luxuswagen entwickeln und bauen können. Jedes Fahrzeugunternehmen hat so angefangen. Die Marktanteile auf dem Weltmarkt sind ihnen sicher.
Und nun frage ich Sie – warum ist dort nicht SMART, warum ist dort nicht FIAT mit dem 500 oder dem Panda, warum hat VW keinen Kleinwagen dort in dieser Preisklasse am Start? Wo sind die anderen, wie Opel, Saab, Ford etc.?
Wenn man die Argumente der Verbände und Vorstände hier in Europa liest, muss man sich schon wundern. Ein Verband in Deutschland schrieb: “Das Image der Marke xyz würde durch ein Billigprodukt in Asien beschädigt und wäre zerstörerisch!” – Haben die schon mal von der Gründung einer weiteren Marke gehört? VW hat es uns doch in Europa mit Skoda und Seat vorgemacht.
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